Wichtige Punkte
- Glaslagerung ist ein Lastproblem, kein Platzproblem. Ob eine Palette in ein Regal oder in den Block darf, entscheidet die zulässige Flächen- und Stapellast der Ladeeinheit – nicht die verfügbare Höhe.
- Die Kommissionierung von Glas verzeiht keine Prozessfehler: Jede unnötige Umpackbewegung erhöht die Bruchquote, und jede fehlerhafte Charge kostet mehr als die reine Nachlieferung, weil Rückverfolgbarkeit und Kundentermine betroffen sind.
- Lagerhöhen, Mengen und Umschlagszahlen sind projektbezogen. Wir nennen keine pauschalen Kapazitäts- oder Bruchquotenwerte, sondern legen Zielgrößen gemeinsam mit Ihrer Logistik fest.
Lagerung und Kommissionierung sind die Stationen, an denen die Qualität einer Glaslieferung entsteht oder verloren geht – nach der Produktion und vor dem Versand. Anders als beim Füllen und Verschließen gibt es hier keinen Prozessschritt, der Fehler heilt: Was im Lager bricht, ist verloren; was falsch kommissioniert wird, kommt falsch beim Kunden an. Gleichzeitig ist das Lager der Bereich, in dem viele Betriebe am schnellsten Kosten senken können, weil sich Wege, Griffe und Umpackbewegungen direkt in Zeit und Bruch niederschlagen.
Diese Seite richtet sich an Logistik, Lagerleitung und Einkauf im DACH-Raum, die Glasgebinde einlagern, umschlagen und auftragsbezogen kommissionieren. Sie beschreibt, welche Lastgrenzen bei Regal- und Blocklagerung gelten, wie FIFO und FEFO mit Ladeeinheiten und Chargen zusammenspielen, warum Feuchte die Lesbarkeit von Etiketten gefährdet, welche Rolle Barcode, GS1 und SSCC spielen und was Kommissionierfehler tatsächlich kosten. Sie liefert Zusammenhänge und Prüffragen – konkrete Kapazitäten und Mengen werden projektbezogen festgelegt.
Die stabile Ladeeinheit ist die Voraussetzung dafür, dass Lagerung und Kommissionierung sicher funktionieren.
Lagerung und Kommissionierung von Glas: was der Betrieb leisten muss
Ein Glaslager hat drei Aufgaben gleichzeitig zu erfüllen. Es muss die Ware gegen mechanische Belastung schützen, es muss sie auffindbar und zuordenbar halten, und es muss den Umschlag wirtschaftlich ermöglichen. Diese drei Ziele stehen in Spannung zueinander. Maximale Dichte schützt schlecht und verlangsamt den Zugriff; maximale Zugänglichkeit kostet Fläche. Gute Lagerplanung ist deshalb immer ein Kompromiss, der zur Umschlagsfrequenz des Betriebs passt.
Der entscheidende Begriff ist die Umschlagsfrequenz, also wie oft ein Bestand pro Zeitraum bewegt wird. Ware mit hoher Frequenz gehört in zugängliche Zonen mit kurzem Weg, Ware mit niedriger Frequenz in Reservezonen oder in den Block. Wird das verwechselt, entstehen Wege, die weder der Sicherheit noch der Produktivität dienen. In der Praxis ist der häufigste Planungsfehler nicht zu wenig Fläche, sondern die falsche Zuordnung von Ware zu Zone.
Für Glasgebinde kommt ein zweiter Faktor hinzu: die Bruchempfindlichkeit im Umgang. Ein Lager mit vielen unnötigen Bewegungen produziert mehr Bruch als ein Lager mit wenigen, auch wenn die Fläche pro Palette größer ist. Deshalb lohnt es sich, die Kommissionierung so zu gestalten, dass eine Ladeeinheit möglichst in einem Zug aufgenommen, bewegt und abgesetzt wird. Jede Zwischenablage erhöht das Risiko. Die Grundlagen zur Bildung stabiler Ladeeinheiten finden Sie unter Palettierung und Containerverladung.
Regal- und Blocklagerung: Lasten, Höhen und Standsicherheit
Bei der Regallagerung steht jede Ladeeinheit auf zwei Traversen oder in einem Fach und wird von der Konstruktion getragen. Die zulässige Belastung ergibt sich aus der Fachlast, aus der Anzahl der Ebenen und aus der Geometrie des Regals. Für Glas ist dabei nicht die Einzellast, sondern die Verteilung entscheidend: Eine Palette, deren Gewicht sich auf wenige Punkte konzentriert, belastet Traversen und Auflagen stärker als eine gleichmäßig gepackte. Deshalb gehört zur Lagerfreigabe immer die Information, wie das Gewicht auf der Palette verteilt ist.
Bei der Blocklagerung stehen Ladeeinheiten direkt auf dem Boden und teils übereinander. Hier wirken zwei Kräfte: die Flächenlast auf den Boden und die Stapellast auf die unterste Einheit. Für Glas ist die zweite Größe kritisch, weil die unterste Lage das Gewicht aller darüberliegenden trägt. Ob gestapelt werden darf, hängt von der Stapelfähigkeit der Verpackung ab und nicht von der Stapelfähigkeit des Glases. Ein Glasgebinde ist druckfest bis zu einem gewissen Punkt, aber die Kartons und Zwischenlagen geben früher nach.
Ein dritter Faktor ist die Standsicherheit im Regal selbst. Ein Palettenregal ist auf definierte Einfahr- und Absetzvorgänge ausgelegt. Wenn Ladeeinheiten überstehen, kann der Stapler sie beim Einsetzen streifen. Deshalb sollte die Überstandstoleranz auf das engste Format abgestimmt werden und nicht auf das größte. In Mischlagern mit unterschiedlichen Formaten ist das eine häufige Fehlerquelle, weil jedes Format andere Abmessungen mitbringt.
Lastaufnahme, Ladeeinheiten und die Grenzen der Verpackung
Die Ladeeinheit ist das eigentliche Lagergut, nicht das einzelne Glas. Sie entsteht aus Palette, Ware, Zwischenlagen und Sicherung und besitzt eine eigene Festigkeit. Diese Festigkeit ist bei Glas besonders wichtig, weil die Palette im Lager mehrfach aufgenommen und abgesetzt wird. Jeder Aufnahme- und Absetzvorgang erzeugt eine kurzzeitige dynamische Last, die über der ruhenden Last liegt.
Für den Betrieb heißt das, dass drei Angaben vorhanden sein sollten: die zulässige Stapelhöhe in Lagen, die zulässige Stapelhöhe in Einheiten und die Aufnahmefähigkeit unter dem Palettenboden. Fehlt eine dieser Angaben, wird im Zweifel zu niedrig gestapelt und damit Fläche verschwendet oder zu hoch gestapelt und das Risiko erhöht. Beides kostet Geld, nur an unterschiedlichen Stellen.
Ein weiteres Thema ist der Zustand der Ladeeinheit über die Zeit. Schrumpffolie verliert ihre Spannung, Umreifungen leiern aus, Kartonagen nehmen Feuchte auf. Eine Ladeeinheit, die im Wareneingang stabil war, kann nach Wochen im Regal labil werden. Deshalb gehört zur Lagerplanung eine Regel für die Nachsicherung nach längerer Standzeit. Welche Sicherungsart wann sinnvoll ist, hängt von Format, Standzeit und Klima im Lager ab und wird projektbezogen festgelegt.
FIFO, FEFO und Chargenführung im Glaslager
Die Reihenfolge, in der Ware aus dem Lager entnommen wird, bestimmt die Qualität der Auslieferung. FIFO bedeutet, dass zuerst eingelagerte Ware zuerst entnommen wird. FEFO bedeutet, dass die Ware mit dem frühesten Verbrauchs- oder Mindesthaltbarkeitsdatum zuerst entnommen wird. Beide Verfahren zielen auf dasselbe: keine Ware soll durch zu lange Lagerung veralten.
Im Glaslager ist zusätzlich die Chargenführung entscheidend. Auch wenn Glas kaum altert, kann sich eine Charge in kleinen Merkmalen von einer anderen unterscheiden – etwa in der Toleranzlage, in der Oberflächenbeschaffenheit oder im Gewinde. Wenn zwei Chargen gemischt an einen Kunden gehen, kann dieser Unterschied zu Problemen auf der Linie führen, die sich keiner Charge zuordnen lassen. Deshalb sollte jede Ladeeinheit eine eindeutige Chargenkennzeichnung tragen, und die Kommissionierung sollte nach Möglichkeit chargenrein arbeiten.
Praktisch bedeutet das, dass die Lagerverwaltung die Charge auf der Palette abbilden muss. Eine Palette ohne Chargenkennung ist im Zweifel nicht kommissionierbar, wenn der Kunde chargenreine Lieferung verlangt. Wird die Kennzeichnung beim Einlagern verpasst, bleibt nur das Umpacken – und Umpacken ist bei Glas eine der teuersten Nacharbeiten überhaupt. Grundlagen zur Kennzeichnung finden Sie unter Etiketten und Kennzeichnung.
Bruchquote und Umschlagsfrequenz
Die Bruchquote ist die zentrale Kennzahl für ein Glaslager, aber sie ist nur aussagekräftig, wenn sie auf die Zahl der Umschläge bezogen wird. Ein Lager mit hoher Frequenz wird naturgemäß mehr Bruch haben als ein Lager, das Ware lange in Ruhe lässt. Wird die Quote ohne diesen Bezug verglichen, entstehen falsche Schlüsse: Man hält den bewegungsintensiven Betrieb für schlechter organisiert, obwohl er lediglich mehr Kontaktmomente hat.
Sinnvoller ist eine Betrachtung nach Bruchstelle und Station. Wo bricht die Ware: beim Entladen, beim Einlagern, beim Kommissionieren, beim Verladen? Brüche am Hals deuten auf Greif- und Anpressprobleme hin, Brüche am Boden auf Absetzvorgänge, Brüche an der Flanke auf Stoß und Streifkontakt. Erst diese Aufschlüsselung zeigt, welche Station verbessert werden muss.
Ein weiterer Wert ist die Umschlagsfrequenz pro Ladeeinheit. Wenn eine Palette fünfmal bewegt wird, um fünf Aufträge zu erfüllen, ist das teuer und riskant. Lässt sich ein Auftrag aus einer Palette vollständig bilden, sinkt die Zahl der Bewegungen. Deshalb ist die Auftragsbildung mit der Lagerplanung zu verzahnen. Die logistischen Anschlussprozesse sind unter Glasverpackung und Logistik ausführlicher beschrieben.

Je klarer das Format definiert ist, desto einfacher bleibt die Zuordnung im Lager über die gesamte Standzeit.
Lagerarten und ihre Eignung für Glasgebinde
Die folgenden Lagerarten unterscheiden sich in Zugriff, Dichte, Lastverhalten und Eignung für Glas. Die Angaben beschreiben branchenübliche Zusammenhänge und ersetzen keine statische Bewertung des konkreten Lagers; die verbindlichen Grenzen werden nach Projektangabe geprüft.
| Lagerart | Zugriffsart | Lastverhalten | Typische Eignung | Hauptrisiko | Vorher prüfen |
|---|---|---|---|---|---|
| Palettenregal mit Fachlast | direkt je Fach | Last auf Traversen, Stapelung im Fach begrenzt | Schnelldreher mit vielen Aufträgen | Streifen beim Einfahren | Fachlast, Überstand, Lagenbild |
| Blocklagerung am Boden | nur vorbereitete Einheit | Flächenlast plus Stapellast auf unterster Lage | Reserveware ohne FEFO-Zwang | Stabilität der untersten Lage | Stapelfähigkeit, Bodenlast |
| Durchlaufregal mit Neigung | bahnenweise je Artikel | Rollen tragen Einzellast | gleichförmige Artikel mit hohem Umschlag | Rollen bremsen oder versetzen | Gewicht je Ladeeinheit, Rollenbahn |
| Konsignationslager beim Kunden | beim Abnehmer | nicht kalkulierbar ohne Vorgabe | Versorgung mit Rahmenvertrag | unkontrollierte Lagerbedingungen | Klima, Einlagerungsregel, Chargen |
| Kleinteilelager mit Fachböden | manueller Griff | gering, meist Kartonware | Muster, Verschlüsse, Zubehör | Staub und Feuchte im Fach | Fachlast, Hygiene, Verpackung |
| Außenlager unter Dach | begrenzt | witterungsabhängig | Reserve mit geschlossener Verpackung | Feuchte und Temperaturwechsel | Dichtigkeit, Folie, Unterbau |
| Fördertechnisches Hochregallager | automatisch | definierte Fachlast, hohe Genauigkeit | stabile Serienware in hoher Menge | Formattoleranz stört Automatik | Toleranzen, Palettenzustand, Sensorik |
| Werkstattnahes Pufferlager | kurze Wege | geringe Stapelhöhe | Auffüllung an einer Verbrauchsstelle | unklare Chargenzuordnung | Kennzeichnung, Verbrauchsregel |
Feuchte, Temperatur und die Lesbarkeit von Etiketten
Etiketten sind der empfindlichste Teil einer Glaslieferung. Das Glas selbst übersteht Feuchte und Temperaturwechsel ohne Veränderung, aber Papier- und Folienetiketten reagieren. Bei hoher Luftfeuchte quellen Papierfasern, Kanten wellen sich, und Kleber kann an Haftung verlieren. Bei starken Temperaturwechseln entsteht Kondensat, das zusätzlich auf die Klebeschicht wirkt. Das Ergebnis sind unlesbare Chargenangaben, abgelöste Barcodes und fehlende Pflichtangaben.
Für das Lager ergeben sich daraus zwei Regeln. Erstens: Ware mit hohen Anforderungen an die Kennzeichnung gehört in trockene, möglichst temperierte Zonen, nicht in Außenbereiche oder direkt neben Tore. Zweitens: Kondensation sollte vermieden werden, indem die Ware vor dem Umschlag Zeit zum Angleichen bekommt. Ein Bestand, der direkt von kalt nach warm bewegt wird, beschlägt schneller als einer, der in einer Schleuse akklimatisiert.
Zusätzlich ist die Lesbarkeit ein Kommissionierfaktor. Wenn ein Barcode im Lager nicht gelesen wird, muss der Mitarbeiter manuell eingreifen. Das kostet Zeit und erhöht die Fehlerwahrscheinlichkeit. Deshalb lohnt sich eine Prüfung der Scaneinrichtungen in der Halle und eine Kontrolle der Etikettenqualität bei der Einlagerung. Welche Punkte vor der Bestellung grundsätzlich zu klären sind, fasst die Beschaffungs-Checkliste für Glasverpackung zusammen.
Barcode, GS1 und SSCC in der Kommissionierung
Die maschinenlesbare Kennzeichnung ist heute die Grundlage jeder Lagerverwaltung. Für Handelslieferungen wird üblicherweise nach GS1-Standards gekennzeichnet. Ein GTIN identifiziert den Artikel, der SSCC identifiziert die Ladeeinheit. Der SSCC ist besonders relevant, weil er jede Palette eindeutig macht und damit eine lückenlose Rückverfolgbarkeit über Versand, Transport und Empfang ermöglicht.
Für Glasgebinde hat die eindeutige Ladeeinheitenkennzeichnung zwei Vorteile. Erstens wird die Kommissionierung sicherer, weil die Ware gescannt und nicht nur visuell erkannt wird – Formate, die sich ähnlich sehen, werden nicht verwechselt. Zweitens sind Reklamationen einfacher zuzuordnen, weil jede Palette eine eigene Nummer hat. Im Streitfall lässt sich feststellen, welche Palette wann und wohin geliefert wurde.
Damit das Etikett funktioniert, muss es lesbar bleiben. Der SSCC wird in der Regel auf der Palette angebracht und ist damit Witterung und Handling ausgesetzt. Deshalb ist die Kombination aus Material, Kleber, Position und Schutz zu prüfen. Ein SSCC-Etikett an einer Stelle, die beim Aufnehmen beschädigt wird, ist praktisch wertlos. Die Positionierung gehört daher in die Verpackungs- und Ladungssicherungsplanung.
Kommissionierfehler und ihre tatsächlichen Kosten
Ein Kommissionierfehler ist nicht die Differenz zwischen zwei Gebindepreisen. Er verursacht eine Kette von Kosten: Rücklieferung, Prüfung, Nachlieferung, Eilversand, Verwaltungsaufwand und im schlimmsten Fall einen Stillstand in der Produktion des Kunden. Bei Glas kann zusätzlich ein Bruchschaden entstehen, wenn die falsche Ware falsch behandelt wird. In Summe übersteigt der Aufwand den Wert der Fehlmenge um ein Vielfaches.
Die wirksamste Gegenmaßnahme ist nicht mehr Kontrolle am Ende, sondern weniger Entscheidungsfreiheit im Prozess. Scannbasierte Vorgänge, eindeutige Lagerplätze, klare Formatbeschreibungen und einheitliche Verpackungen reduzieren die Zahl der möglichen Verwechslungen. Besonders hilfreich ist die visuelle Unterscheidbarkeit: Wenn sich zwei ähnliche Gebinde nur durch ein kleines Merkmal unterscheiden, ist die Verwechslung vorprogrammiert. In solchen Fällen hilft eine zusätzliche farbliche oder textliche Markierung auf der Ladeeinheit.
Ein weiterer Hebel ist die Auftragsbildung. Wenn ein Auftrag aus möglichst wenigen Ladeeinheiten gebildet wird, sinkt die Zahl der Griffe und damit das Fehlerrisiko. Wird ein Auftrag dagegen aus vielen offenen Paletten zusammengestellt, entstehen viele Gelegenheiten für Fehler. Die Auftragsplanung wirkt sich damit direkt auf die Qualität der Auslieferung aus und ist kein reines Mengenthema.
Inventur, Verkehrswege und Arbeitssicherheit
Die Inventur in einem Glaslager ist aufwendiger als in vielen anderen Bereichen, weil beschädigte Ware und Fehlmengen durch Bruch entstehen können. Deshalb sollte die Inventur Bruch getrennt erfassen und nicht mit Fehlbeständen vermischen. Nur so lässt sich unterscheiden, ob Ware verloren ging, falsch gebucht wurde oder tatsächlich zerbrochen ist. Diese Unterscheidung ist die Grundlage jeder Verbesserung.
Verkehrswege sind in Glaslagern ein Sicherheitsthema. Glas ist schwer, splittert bei Bruch und erzeugt auf dem Boden eine Gefahr, die nicht immer sichtbar ist. Deshalb brauchen Verkehrswege ausreichende Breite, klare Markierung und eine Regel für das Reinigen nach Bruch. Stapler und Elektrogeräte sollten so gefahren werden, dass Begegnungsverkehr möglich ist, ohne dass Ladeeinheiten gestreift werden.
Zur Arbeitssicherheit gehört auch die Lastaufnahme. Wer eine Ladeeinheit mit falscher Gabelhöhe aufnimmt, erzeugt eine Punktlast, die zur Beschädigung der Palette oder der untersten Lage führt. Diese Schäden zeigen sich nicht sofort, sondern beim nächsten Umschlag. Deshalb ist die Schulung der Fahrer eine der wirksamsten Maßnahmen zur Bruchreduktion – oft wirksamer als jede technische Umrüstung.
Lagerung von Mehrwegglas und Pfandgebinden
Mehrwegglas stellt andere Anforderungen an das Lager. Leergut kommt zurück, ist oft feucht, manchmal verschmutzt und nicht immer sortenrein. Für die Lagerung bedeutet das, dass Leergut nicht mit Neuware vermischt werden sollte. Rückläufer brauchen einen eigenen Bereich mit ausreichender Belüftung, damit Feuchte abtrocknen kann und sich kein Geruch oder Schimmel bildet.
Zusätzlich ist die Sortierung ein Thema. Mehrweggebinde werden nur dann wiederverwendet, wenn sie nach Typ getrennt werden. Ein Lager mit gemischtem Leergut erzeugt zusätzlichen Sortieraufwand und reduziert die Umlaufzahl. Auch die Prüfung, ob ein Gebinde wiederverwendbar ist, sollte im Lager erfolgen und nicht erst im Reinigungsprozess. Die Systemzusammenhänge sind im Abschnitt zu Mehrwegflaschen und Pfandsystemen beschrieben.
Für Neuware bedeutet Mehrweg eine zusätzliche Anforderung an die Ladeeinheit. Mehrweggebinde sind in der Regel dicker und schwerer, was die Stapellast erhöht. Deshalb muss die Stapelplanung für Mehrweg separat bewertet werden und nicht aus der Einwegplanung übernommen werden.
Typische Fehler in der Glaslagerung und Kommissionierung
Der häufigste Fehler ist die Bewertung des Lagers nach verfügbarer Fläche statt nach Umschlagsfrequenz. Dadurch liegt Schnelldreherware weit hinten und Reserveware an der besten Position. Der zweite Fehler ist die fehlende Chargenkennzeichnung beim Einlagern. Diesen Fehler korrigiert man später durch Umpacken, also durch die teuerste denkbare Nacharbeit.
Der dritte Fehler ist die Überstapelung ohne Kenntnis der Verpackungsgrenze. Die Lastgrenze liegt fast immer in der Umverpackung und nicht im Glas, aber sie wird selten dokumentiert. Der vierte Fehler ist die Vernachlässigung der Feuchte. Etiketten und Kartons leiden still, bis die Ware beim Kunden unlesbar oder instabil ankommt.
Der fünfte Fehler ist die fehlende Nachsicherung bei langer Standzeit. Folie und Umreifung verlieren Spannung, und die Ladeeinheit wird im Regal labil. Der sechste Fehler schließlich ist die fehlende Trennung von Bruch und Fehlbestand in der Inventur. Wer beides vermischt, kann keine Ursache erkennen und deshalb auch nichts verbessern. Für die Abläufe an der Schnittstelle zum Wareneingang lohnt zusätzlich der Blick auf Qualitätsprüfung und Eingangskontrolle.

Nur wo Charge und Ladeeinheit eindeutig gekennzeichnet sind, bleibt Kommissionierung fehlerarm.
Häufige Fragen zu Lagerung und Kommissionierung von Glas
Wie hoch darf eine Palette mit Glasgebinden gestapelt werden?
Das hängt von der Stapelfähigkeit der Verpackung ab und nicht allein vom Glas. Entscheidend sind Kartonfestigkeit, Zwischenlagen, Lagenbild und die zulässige Flächenlast des Bodens. Eine pauschale Höhe lässt sich deshalb nicht nennen. Wir empfehlen, die zulässige Stapelhöhe im Datenblatt festzuhalten und nach längerer Standzeit eine Nachsicherung einzuplanen. Die konkreten Werte legen wir nach Projektangabe fest.
Warum ist die Chargenkennzeichnung im Glaslager so wichtig?
Weil sich Chargen in kleinen Merkmalen unterscheiden können, etwa in der Toleranzlage oder im Gewinde. Werden zwei Chargen gemischt, lassen sich Abweichungen beim Kunden später nicht zuordnen. Eine eindeutige Kennzeichnung auf jeder Ladeeinheit ermöglicht chargenreine Lieferung und erleichtert die Rückverfolgbarkeit. Fehlt sie, bleibt nur das Umpacken – eine der teuersten Nacharbeiten überhaupt.
Welche Rolle spielt der SSCC bei Glaslieferungen?
Der SSCC identifiziert jede Ladeeinheit eindeutig und schafft damit Rückverfolgbarkeit über Versand, Transport und Empfang. Für die Kommissionierung bedeutet das, dass gescannt und nicht visuell erkannt wird, wodurch ähnliche Formate nicht verwechselt werden. Wichtig ist, dass das Etikett an einer geschützten Stelle sitzt und lesbar bleibt. Die Positionierung stimmen wir nach Projektangabe ab.
Wie lässt sich die Bruchquote im Lager senken?
Am wirksamsten durch weniger Bewegungen und bessere Schulung. Jede Zwischenablage und jeder zusätzliche Griff erhöht das Risiko. Hinzu kommen klare Regeln zur Lastaufnahme, breite Verkehrswege und eine konsequente Reinigung nach Bruch. Eine Aufschlüsselung nach Station und Bruchstelle zeigt, wo der größte Hebel liegt. Zielwerte definieren wir projektbezogen gemeinsam mit Ihrer Logistik.
Dürfen Mehrweggebinde und Neuware zusammen gelagert werden?
Für Neuware, die später gefüllt und an Kunden geht, empfehlen wir eine getrennte Lagerung. Leergut ist häufig feucht und nicht sortenrein, was Feuchte, Geruch und zusätzlichen Sortieraufwand in die Zone bringt. Zudem sind Mehrweggebinde meist schwerer, was eigene Stapelgrenzen erfordert. Die Aufteilung legen wir nach Projektangabe gemeinsam fest.
Wie oft sollte eine Ladeeinheit nachgesichert werden?
Das hängt von Material, Standzeit und Klima ab. Folie verliert mit der Zeit Spannung, Umreifungen können ausleiern, und Kartonagen nehmen Feuchte auf. Sinnvoll ist eine feste Regel: Nach einer definierten Standzeit wird die Ladeeinheit vor dem Umschlag geprüft und bei Bedarf nachgesichert. Die konkreten Intervalle werden nach Projektangabe festgelegt.