Wichtigste Punkte
- Im DACH-Raum entscheidet nicht der Katalogpreis über den Zuschlag, sondern die dokumentierte Musterphase. Vom Serienmuster über Modell und Erstmuster bis zur Serienfreigabe entsteht eine Kette, die Einkauf und Qualitätssicherung gemeinsam abbilden.
- Der Erstmusterprüfbericht (EMPB) ist das zentrale Dokument dieser Kette: Er hält die gemessenen Ist-Werte gegen die im Lastenheft geforderten Soll-Werte fest und bildet die Referenz für jede spätere Beanstandung.
- Wir liefern Muster für Serienformen, bemustern Farben und Dekore und begleiten die Freigabe bis zur Serienlieferung. Musterumfang, Musterkosten und Zeitrahmen bestätigen wir je nach Projekt.
Warum die Musterphase über den Zuschlag entscheidet
Glasverpackung hat eine Eigenschaft, die sie von den meisten anderen Beschaffungsgütern unterscheidet: Ein Fehler lässt sich am fertigen Produkt nicht korrigieren. Eine Bohrung kann man nachsetzen, eine Oberfläche nachlackieren, eine Toleranz nachverhandeln. Ein Glasgebinde mit falscher Mündung, unruhiger Wandstärke oder abweichender Farbnuance ist dagegen Ausschuss — und zwar vollständig, weil die Form die Ursache ist und die Form nicht nachträglich geändert werden kann, ohne ein neues Werkzeug zu bauen. Genau deshalb ist die Musterphase in der Glasbeschaffung kein Formalakt, sondern die eigentliche Qualitätsentscheidung.
Für Einkaufsabteilungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz kommt ein zweiter Grund hinzu: die Nachweispflicht. Wer Glasverpackung für Lebensmittel einführt, muss gegenüber dem Handel, gegenüber einer Zertifizierungsstelle oder in einer öffentlichen Ausschreibung belegen können, dass die gelieferte Ware der spezifizierten Ware entspricht. Ohne dokumentierte Musterphase fehlt dieser Beleg. Ein freigegebener Erstmusterprüfbericht ist die belastbare Grundlage, um im Streitfall zu zeigen, was bestellt war und was geliefert wurde.
Der dritte Grund ist betriebswirtschaftlich. Ein Muster, das auf der Abfülllinie scheitert, kostet einen Tag Produktionsausfall und eine Nacharbeit an der Spezifikation. Ein Muster, das scheinbar bestanden wird und erst nach Wochen im Regal Undichtigkeiten zeigt, kostet eine Rückrufaktion und in ungünstigen Fällen eine Listung. Wer die Musterphase ernst nimmt, gibt ihr Zeit — und genau diese Zeit ist der Unterschied zwischen einem Lieferprojekt, das trägt, und einem, das nach der ersten Charge endet.
Wir liefern Muster für Glasflaschen und Glasgebinde aller Art, von Serienformen aus laufenden Schmelzkampagnen bis zu Modellen für neue Silhouetten. Für Entwicklungsprojekte mit eigener Form läuft der Weg über unser Programm für Flaschen nach Maß; die Systematik der Verschlüsse ist unter Verschlüsse und Kappen beschrieben.
Mustertypen und ihre Rolle im Projekt
| Mustertyp | Zweck | Zeitpunkt | Umfang üblich | Ergebnis und Dokument |
|---|---|---|---|---|
| Serienmuster | Prüfung einer bestehenden Form auf der eigenen Linie | Vor der Angebotsentscheidung | wenige Stück bis Kleinstmenge | Maßprotokoll, Rückmeldung zur Linientauglichkeit |
| Farbmuster | Festlegung der Glasfarbe und der Nuancentoleranz | Frühe Planungsphase | Musterplättchen oder kleine Glasproben | Farbfreigabe gegen Referenzmuster |
| Dekormuster | Abstimmung von Prägung, Bedruckung, Mattierung oder Folie | Parallel zur Designphase | Einzelstücke je Variante | Dekorfreigabe, Andruck oder Prägemuster |
| Verschlussmuster | Passung von Deckel, Dichtung und Gewinde prüfen | Vor der Mündungsfreigabe | Deckel und Glas im Paar | Dichtheitsprüfung, Drehmomentwerte |
| Handmuster und Modell | Silhouette und Proportionen beurteilen | Nach dem Designbriefing | Einzelstück, oft aus alternativem Werkstoff | Designfreigabe als Grundlage des Formbaus |
| 3D-Modell und Zeichnung | Maße, Volumen und Passung simulieren | Vor dem Formbau | Datensatz und bemaßte Zeichnung | Freigabezeichnung, Toleranzangaben |
| Funktionsmuster | Füllen, Verschließen und Etikettieren testen | Mitte der Projektphase | kleine Serie aus dem Vormusterwerkzeug | Linienprotokoll, Füllstandsbild |
| Erstmuster | Nachweis der Serienfähigkeit aus dem Serienwerkzeug | Vor der Serienfreigabe | Stichprobe mit definierter Größe | Erstmusterprüfbericht mit Ist- und Soll-Werten |
| Vorabmuster (Vorserie) | Wareneingang und Verpackung real prüfen | Kurz vor Serienstart | Teilmenge aus der Serienproduktion | Wareneingangsprotokoll, Karton- und Palettentest |
| Rückstell- und Archivmuster | Referenz für spätere Chargen und Audits | Mit der Serienfreigabe | ein versiegeltes Muster je Artikel | Archivmuster mit Datum und Chargenbezug |
Die Tabelle macht eine Reihenfolge sichtbar, die in der Praxis oft verkürzt wird: Erst kommt die Frage nach dem Objekt — Silhouette, Farbe, Proportion —, dann die Frage nach der Passung zwischen Glas und Verschluss, und erst zuletzt die Frage nach der Serienfähigkeit. Wer diese Stufen überspringt und direkt ein Erstmuster verlangt, riskiert, dass ein nicht freigegebenes Design in ein teures Serienwerkzeug einfließt. Wer dagegen alle Stufen durchläuft, hat an jeder Stelle eine dokumentierte Entscheidung, auf die er sich später berufen kann.

Vom Lastenheft zur Musteranforderung
Am Anfang jeder sinnvollen Bemusterung steht ein Lastenheft. Der Begriff stammt aus der technischen Beschaffung und beschreibt genau das, was in der Glasbestellung häufig fehlt: eine verbindliche Beschreibung dessen, was geliefert werden soll, mit den Anforderungen und den Prüfkriterien. Ein Lastenheft für ein Glasgebinde benennt in der Regel den Verwendungszweck, das Füllgut mit seinen Eigenschaften, das Nennvolumen und das Randvollvolumen, die Mündungsnorm, die Glasfarbe, die zulässigen Toleranzen, die Verpackungsart und die Dokumentationspflichten.
Ein Pflichtenheft ist die Antwort des Lieferanten darauf: Er beschreibt, mit welchen Mitteln und Verfahren er die im Lastenheft geforderten Eigenschaften erreicht. Diese Trennung ist im deutschsprachigen Raum üblich und sinnvoll, weil sie die Verantwortung klar verteilt. Der Einkauf sagt, was die Ware leisten muss; der Lieferant sagt, wie er das umsetzt. Für die Musterphase heißt das: Jede Musteranforderung sollte sich auf Positionen des Lastenhefts beziehen, damit später nachvollziehbar ist, gegen welche Anforderung geprüft wurde.
In der Praxis bewährt es sich, die Musteranforderung schriftlich zu stellen und dabei fünf Angaben nicht wegzulassen: den Mustertyp, den Umfang, den Verwendungszweck des Musters, die gewünschten Prüfungen und das Datum, bis zu dem das Muster benötigt wird. Fehlt der Verwendungszweck, liefert der Hersteller womöglich ein Designmuster, während der Abfüller einen Linientest erwartet. Fehlt das Datum, gerät die Musterphase in Verzug, und der Verzug schlägt unmittelbar auf die Abfüllkampagne durch. Einen strukturierten Leitfaden für diese Angaben finden Sie in der Checkliste für Ihre Anfrage.
Musterbau: aus der Serie oder über ein neues Modell
Für die meisten Anfragen ist der günstigste Weg ein Serienmuster. Es wird aus einer bestehenden Form gezogen, die bereits in einer Schmelzkampagne läuft, und ist damit in kurzer Zeit und zu geringen Kosten verfügbar. Der Vorteil liegt nicht nur im Preis, sondern in der Aussagekraft: Ein Serienmuster zeigt genau die Ware, die später geliefert wird, mit der realen Wandstärke, der realen Farbnuance und der realen Mündung. Wer auf einer bewährten Form aufsetzt, kann von einer deutlich sicheren Planung ausgehen.
Eine eigene Silhouette verlangt dagegen einen vollständigen Entwicklungsweg. Am Beginn steht die Zeichnung, aus der ein Modell entsteht, oft zunächst als Handmuster oder als Datensatz. Aus dem freigegebenen Modell wird das Formwerkzeug gebaut, und aus diesem Werkzeug kommen die ersten Abmusterungen. Jeder dieser Schritte ist ein eigener Freigabepunkt, und jeder kann zu einer Änderung führen. Deshalb lohnt es sich, die Anforderungen früh zu sortieren: Was muss die Form leisten, was ist Gestaltungswunsch, und was ist technisch bedingt? Diese Klärung verhindert spätere Umplanungen, die den Zeitrahmen sprengen. Wie ein solches Formenprojekt im Einzelnen abläuft, beschreibt die Seite zum Partner-Werksnetzwerk.
Für die Kalkulation ist ein weiterer Punkt wichtig: Die Musterkosten sind nicht mit den Werkzeugkosten gleichzusetzen. Ein Serienmuster verursacht Material- und Logistikkosten, ein Modell verursacht Konstruktions- und Bauaufwand, ein Serienwerkzeug verursacht Investitionskosten, die sich über die Serie amortisieren. Klären Sie vor Projektbeginn, welche Positionen einmalig anfallen und welche in den Stückpreis einfließen. Diese Trennung ist für die Bewertung von Angeboten entscheidend, weil zwei Angebote mit gleichem Stückpreis sehr unterschiedliche Einmalkosten tragen können.
Bemusterung: der Test auf der realen Linie
Die eigentliche Bemusterung findet dort statt, wo es zählt: auf der Abfülllinie. Hier zeigt sich, ob Füllstand, Verschließverhalten und Etikettierbarkeit zusammenpassen. Der Füllstand ergibt sich aus dem Nennvolumen und dem Kopfraum, und er ist der Punkt, an dem sich Fehler in der Volumenangabe unmittelbar zeigen: Ist das Randvollvolumen zu klein, läuft das Produkt beim Füllen über oder der Kopfraum reicht nicht für das Vakuum. Ist es zu groß, wirkt das Glas unterfüllt und die Etikettierung lässt sich nur schwer auf einen definierten Füllstand abstimmen.
Der zweite Prüfpunkt ist das Verschließverhalten. Die Verschließmaschine arbeitet mit einem definierten Weg und einem definierten Drehmoment; das Glas muss diese Vorgaben aufnehmen, ohne dass die Mündung beschädigt wird oder der Deckel nach dem Abkühlen undicht wird. Für Twist-Off prüft man die Vakuumbildung und das Löseverhalten, für Kronkorken die Lage und die Aufsitzkraft, für Bügelverschlüsse die Federspannung. Jeder dieser Werte gehört in das Protokoll, weil sich Abweichungen an derselben Form später wiederholen können.
Der dritte Prüfpunkt ist die Etikettierbarkeit. Ein Etikett haftet nur zuverlässig, wenn die Wand im Auflagebereich gleichmäßig ist und keine ungewollten Krümmungssprünge aufweist. Bei stark konischen Formen oder bei Formen mit ausgeprägten Rillen im Etikettenbereich ist die Haftung oft schlechter, und Etiketten lösen sich an den Kanten. Prüfen Sie an der Vollflasche, im gekühlten Zustand und nach der Kondensation, denn Etiketten verhalten sich auf nasser Oberfläche anders als auf trockener.

Der Erstmusterprüfbericht und seine Inhalte
Am Ende der Musterkette steht ein Dokument, das im deutschsprachigen Raum den Namen Erstmusterprüfbericht trägt und unter dem Kürzel EMPB geläufig ist. Es handelt sich nicht um ein Formular, sondern um einen Nachweis: Er belegt, dass die aus dem Serienwerkzeug gefertigte Ware die im Lastenheft definierten Anforderungen erfüllt. Wer als Einkauf einen EMPB verlangt, verlangt damit mehr als ein Muster — er verlangt den Nachweis, dass die Serienproduktion das Muster reproduziert.
Inhaltlich sollte ein solcher Bericht fünf Elemente enthalten. Erstens die Beanstandungs- und Merkmalsliste: Welche Merkmale wurden geprüft, und welche Toleranzen gelten für jedes Merkmal? Zweitens die Ist-Werte der Messung, gegenübergestellt den Soll-Werten aus dem Lastenheft. Drittens die Angabe der verwendeten Prüfmittel und der Stichprobengröße, weil ein Messwert ohne Prüfmittel keine Aussage hat. Viertens das Ergebnis der Sichtprüfung, also die Feststellung zu Steinchen, Blasen, Kratzern und anderen sichtbaren Merkmalen im relevanten Bereich. Fünftens die Freigabeentscheidung mit Datum und Namen der verantwortlichen Person.
Für die praktische Arbeit lohnt sich die Abstimmung des Formats, bevor das Muster versandt wird. Ein Einkäufer, der dem Lieferanten ein eigenes Prüfblatt mit seinen Merkmalen und Toleranzen übermittelt, bekommt einen Bericht, der unmittelbar in die eigene Qualitätsakte passt. Der umgekehrte Weg — den Bericht nach Erhalt in die eigenen Formulare zu übertragen — kostet Zeit und erzeugt Übertragungsfehler. Wir stimmen daher das Format des Erstmusterprüfberichts vorab mit dem Qualitätsmanagement unserer Kunden ab.
Freigabe und Übergang zur Serienlieferung
Die Freigabe ist der Punkt, an dem die Entwicklung endet und die Lieferbeziehung beginnt. Sie sollte ausdrücklich erfolgen, schriftlich festgehalten und an die archivierten Muster gebunden sein. Eine stillschweigende Freigabe — der Kunde äußert sich nicht, also gilt die Ware als angenommen — ist in der Glasbeschaffung gefährlich, weil sie im Streitfall keine Grundlage bildet. Formulieren Sie in der Freigabe ausdrücklich, auf welches Muster und welche Version des Erstmusterprüfberichts sie sich bezieht.
Ein zweiter Punkt ist die Rückstellung. Von dem freigegebenen Stand sollte ein versiegeltes Muster im Haus des Einkäufers verbleiben und ein zweites beim Lieferanten archiviert werden. Diese Muster dienen später als Vergleichsmaßstab, wenn eine Charge Zweifel weckt, und sie sind unverzichtbar für Audits und für die Bearbeitung von Reklamationen. Die Praxis, kein Rückstellmuster zu bilden, ist weit verbreitet und rächt sich genau dann, wenn es darauf ankommt. Vereinbaren Sie außerdem, wie lange das Muster aufbewahrt wird und unter welchen Bedingungen es gelagert wird, damit es seine Aussagekraft behält.
Drittens gehört die Änderungsregel in die Freigabe. Jede Änderung an Form, Glasmasse, Deckel oder Verpackung — auch eine scheinbar kleine — sollte eine erneute Teilbemusterung auslösen. Diese Regel klingt selbstverständlich, wird aber in der Praxis regelmäßig verletzt, etwa wenn ein Deckel aus einer anderen Quelle bezogen wird, ohne die Passung neu zu prüfen. Genau an dieser Stelle entsteht der überwiegende Teil der Reklamationen, die in der Glasbranche auf falsche Mündungspassungen zurückgehen.
Glasfarbe und Dekor bemustern
Die Farbbemusterung ist ein eigenes Thema, weil sich Glasfarbe nicht wie ein Lack auf einen Nennwert festlegen lässt. Übliche Glasmasse hat einen leicht grünen Stich, der von Eisenoxid herrührt; die Intensität dieses Stichs schwankt mit dem Scherbenanteil und der Ofenführung. Weißglas mit niedrigem Eisengehalt ist dagegen nahezu farblos und wird in eigenen Schmelzkampagnen erzeugt. Für die Festlegung einer Farbe braucht man deshalb keine Zahlenangabe, sondern ein Referenzmuster — ein Glasplättchen oder ein kleines Gebinde, das als verbindlicher Maßstab freigegeben wird.
Beim Dekor ist die Reihenfolge ähnlich. Eine Prägung im Glas lässt sich am geprägten Muster beurteilen, eine Bedruckung am Andruck, eine Mattierung am behandelten Stück. Wichtig ist die Prüfung unter dem Licht des späteren Kanals: Grünglas wirkt im warmen Gaststättenlicht edel, im kalten Supermarktlicht dagegen leicht stumpf. Wer die Farbentscheidung am Bildschirm oder unter Bürobeleuchtung trifft, trifft sie womöglich gegen die eigene Verkaufsumgebung. Wir stellen Muster aller verfügbaren Töne bereit, damit die Entscheidung am realen Licht fällt.
Für die Farbakzeptanz im Wareneingang lohnt sich ein pragmatischer Ansatz: Statt einen Farbwert zu spezifizieren, wird ein Referenzmuster freigegeben und mit einem Toleranzbereich versehen, der unter definierter Beleuchtung zu beurteilen ist. Diese Formulierung ist im DACH-Raum üblich und deutlich belastbarer als eine abstrakte Farbangabe, weil sie beiden Seiten eine gemeinsame Grundlage gibt und die Beurteilungsbedingungen festhält.
Verschluss bemustern: Glas und Deckel als Einheit
Der häufigste Fehler in der Bemusterung ist die getrennte Betrachtung von Glas und Deckel. Beide werden von unterschiedlichen Lieferanten bezogen, beide haben eigene Zeichnungen, und beide werden für sich geprüft. In der Realität bilden sie aber eine Einheit: Der Deckel muss auf das Gewinde des Glases passen, seine Dichtung muss auf der Mündungsfläche anliegen, und der Verschließkopf der Linie muss beide zusammen in der richtigen Kraft schließen. Eine Prüfung, die nur das Glas betrachtet, lässt genau die Schnittstelle ungeprüft, an der Fehler entstehen.
Deshalb gehört das Verschlussmuster immer als Paar in die Bemusterung. Geprüft werden dabei die Gewindepassung über mehrere Umdrehungen, die Anlage der Dichtfläche, die Vakuumbildung nach dem Abkühlen und das Öffnungsverhalten nach einer definierten Lagerzeit. Bei Twist-Off kommt das Löseverhalten hinzu, bei Kronkorken die Aufsitzkraft und die Abdichtung gegen Kohlensäure, bei Bügelverschlüssen die Federspannung und die Dauerhaftigkeit der Dichtung im mehrfachen Gebrauch.
Ein praktischer Rat aus der Praxis: Legen Sie in der Bemusterung ausdrücklich fest, welche Deckelquelle verwendet wird, und halten Sie diese in der Freigabe fest. Wird der Deckel später aus einer anderen Quelle bezogen, löst das eine erneute Teilbemusterung aus. Diese Regel verhindert, dass eine ansonsten einwandfreie Glaslieferung wegen einer Deckeländerung reklamiert wird — ein Vorgang, der sich in der Branche mit erstaunlicher Regelmäßigkeit wiederholt.
Musterkosten, Musterlogistik und Einfuhr
Ein Serienmuster verursacht Material-, Verpackungs- und Versandkosten. Ein Modell verursacht Konstruktions- und Bauaufwand sowie Aufwendungen für die Abstimmung. Ein Erstmuster verursacht einen Prüfaufwand und die Erstellung des Berichts. Für die Angebotsbewertung ist es wichtig, diese Posten von den Werkzeugkosten und den Stückkosten getrennt zu betrachten. Eine Anfrage, die nur nach dem Musterpreis fragt, verzerrt den Vergleich; eine Anfrage, die den Musterweg mitbeschreibt, macht Angebote vergleichbar.
Logistisch gilt für Muster dasselbe wie für Serienware, nur in kleinerem Maßstab. Auch Muster unterliegen der Zollabwicklung, und auch für Muster werden Handelsrechnungen und Ursprungsangaben benötigt, damit die Einfuhr ohne Verzögerung läuft. Bei Mustern ist ein zusätzlicher Hinweis sinnvoll: der Vermerk, dass es sich um Muster ohne Handelswert handelt, sofern die Voraussetzungen dafür vorliegen. Klären Sie das mit Ihrem Zollagenten, denn die Regelungen unterscheiden sich und eine falsche Deklaration kostet Zeit.
Ein zweiter logistischer Punkt betrifft die Verpackung. Ein Muster soll genau die Ware zeigen, die später geliefert wird — also muss es so verpackt sein, dass es unbeschädigt ankommt. Ein in Zeitungspapier gewickeltes Glas erreicht den Einkäufer mit Kratzern oder gar gebrochen, und ein solches Muster sagt nichts über die Qualität des Lieferanten aus, außer eben über seine Verpackungsdisziplin. Die Sorgfalt beim Musterversand ist ein Frühindikator für die Sorgfalt in der Serie. Vertiefende Angaben zur Verpackung und zum Warenversand finden Sie im Leitfaden zur Beschaffung von Glasverpackung.
Typische Fehler in der Bemusterung
Der erste und häufigste Fehler ist die fehlende schriftliche Musteranforderung. Wird ein Muster mündlich bestellt, fehlen anschließend die Bezugspunkte, und die Bewertung stützt sich auf Erinnerungen. Der zweite Fehler ist die verkürzte Kette: Man überspringt das Modell oder die Farbbemusterung und verlangt sofort ein Erstmuster. Das verkürzt den Zeitplan scheinbar, führt aber regelmäßig dazu, dass ein noch nicht freigegebenes Design in das Serienwerkzeug einfließt — die teuerste Form des Zeitdrucks.
Der dritte Fehler ist die Prüfung im Büro statt auf der Linie. Ein Muster, das auf einem Schreibtisch beurteilt wird, hat weder die Füllmaschine noch den Verschließkopf noch die Etikettiermaschine gesehen. Der vierte Fehler ist die Trennung von Glas und Deckel in der Prüfung, die die eigentliche Schnittstelle unbearbeitet lässt. Der fünfte Fehler ist das Fehlen eines Rückstellmusters, wodurch später jede Beanstandung zu einer Frage der Aussage gegen Aussage wird.
Der sechste Fehler betrifft die Zeitplanung. Die Musterphase wird regelmäßig am Ende des Projekts eingeplant, mit dem Argument, man wolle zuerst die Bestellung sichern. In der Glasbeschaffung ist es umgekehrt: Die Musterphase bestimmt den Termin der Serienlieferung, weil die Produktion an Schmelzkampagnen gebunden ist. Wer die Musterschleife zu spät einplant, verliert nicht Tage, sondern Kampagnen. Planen Sie die Musterphase deshalb vor der Ausschreibung und nicht danach.
So starten Sie Ihre Anfrage
Für eine belastbare Musteranforderung benötigen wir von Ihnen den gewünschten Mustertyp, das Füllgut mit seinen Eigenschaften, Volumen und Mündungsnorm, die Glasfarbe, die geplante Stückzahl und das Datum, bis zu dem Sie das Muster benötigen. Wenn eine eigene Silhouette entstehen soll, hilft zusätzlich eine Skizze oder ein Referenzbild sowie eine Angabe dazu, welche Elemente verbindlich und welche verhandelbar sind. Auf dieser Basis schlagen wir Ihnen den passenden Musterweg vor.
Wir liefern Ihnen Serienmuster mit den zugehörigen Maßangaben, Farb- und Dekormuster und, sofern ein eigenes Werkzeug nötig wird, eine Kalkulation für den Formenbau. Für die Abstimmung der Passung liefern wir Verschlussmuster im Paar mit dem Glas, damit Sie die Schnittstelle prüfen können, bevor eine Serie gefertigt wird. Bei Erstmustern stellen wir die erforderlichen Maß- und Prüfdaten bereit und stimmen das Format des Berichts vorab mit Ihrem Qualitätsmanagement ab.
Denken Sie zuletzt an die Dokumente, die Ihr Handelspartner sehen will: die Erklärung zur Konformität im Lebensmittelkontakt, die Chargenprotokolle und die Zusammensetzung der Glasmasse. Für gelistete Handelsware gehören diese Unterlagen zur Grundausstattung und werden standardmäßig abgefragt. Bereiten Sie sie zusammen mit dem Lastenheft vor, damit eine Listung nicht am Papier scheitert. Für Fragen zum Musterablauf erreichen Sie unser Kontaktteam.

Häufige Fragen
Was ist ein Erstmusterprüfbericht (EMPB)?
Der Erstmusterprüfbericht ist der Nachweis, dass die aus dem Serienwerkzeug gefertigte Ware die im Lastenheft definierten Anforderungen erfüllt. Er enthält die geprüften Merkmale, die gemessenen Ist-Werte gegen die Soll-Werte, die verwendeten Prüfmittel, die Stichprobengröße, das Ergebnis der Sichtprüfung und die Freigabeentscheidung. Er ist die Referenz für jede spätere Beanstandung.
Wann brauche ich ein Modell und wann genügt ein Serienmuster?
Ein Serienmuster genügt, wenn eine bereits laufende Form Ihren Anforderungen entspricht. Ein Modell ist erforderlich, wenn eine eigene Silhouette entstehen soll, weil Proportionen und Griffigkeit erst am dreidimensionalen Objekt beurteilt werden können. Serienmuster sind schneller und günstiger, Modelle eröffnen eigene Gestaltung.
Muss ich Glas und Deckel gemeinsam bemustern?
Ja, die gemeinsame Bemusterung ist dringend zu empfehlen. Gewindeform, Dichtfläche und Dichtung greifen ineinander, und ein Deckel kann auf einem Glas desselben Nennmaßes dennoch undicht sitzen. Deshalb geben wir zu jedem Glas die exakte Mündungsnorm an und liefern Verschlussmuster im Paar mit dem Glas.
Wie lange dauert eine Musterphase?
Das hängt vom Mustertyp ab. Ein Serienmuster ist vergleichsweise schnell verfügbar, während eine eigene Silhouette mit Zeichnung, Modell, Formenbau und Erstmuster mehrere Schritte umfasst. Nennen Sie uns Ihr Zieldatum, damit wir den Musterweg darauf auslegen. Verbindliche Termine bestätigen wir je nach Projekt.
Was kostet ein Muster?
Das richtet sich nach dem Mustertyp: Serienmuster verursachen Material-, Verpackungs- und Versandkosten, Modelle zusätzlich Konstruktions- und Bauaufwand, Erstmuster einen Prüf- und Dokumentationsaufwand. Für die Angebotsbewertung sollten Musterkosten, Werkzeugkosten und Stückkosten getrennt betrachtet werden. Die Konditionen bestätigen wir je nach Projekt.
Warum empfehlen Sie ein Rückstellmuster?
Ein versiegeltes Rückstellmuster des freigegebenen Stands dient später als Vergleichsmaßstab, wenn eine Charge Zweifel weckt. Außerdem ist es für Audits unverzichtbar und bildet die Grundlage einer sachlichen Reklamationsbearbeitung. Ohne Rückstellmuster wird jede Beanstandung zu einer Frage der Aussage gegen Aussage.
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