Wichtige Punkte

  • Lohnabfüllung und Private Label umfassen weit mehr als das Füllen: Rezeptur, Glasbeschaffung, Etikettierung, Konfektionierung und Logistik greifen ineinander.
  • Die Abfülllinie bestimmt die Machbarkeit – Höhe, Durchmesser, Greifzone und Halsfinish der Flasche müssen vor der Bestellung geprüft werden.
  • Qualitätsstandards wie IFS und HACCP bilden die Grundlage, während Mindestmengen, Termine und Werkzeugkosten projektbezogen nach Projektangabe zu bestätigen sind.

Lohnabfüllung und Private Label: was der Begriff in der Praxis umfasst

Lohnabfüllung bezeichnet in der Getränke- und Lebensmittelbranche die Übernahme von Abfüll- und Verpackungsleistungen durch einen Dienstleister, der die eigene Infrastruktur, sein Personal und seine Qualitätssysteme zur Verfügung stellt. Der Auftraggeber liefert in der Regel das Füllgut, das Etikettendesign und die Markenrechte; die Abfüllung selbst erfolgt beim Dienstleister. Private Label geht einen Schritt weiter und meint die Entwicklung eines Produkts unter der Marke des Händlers oder Auftraggebers, oft vom Rezepturbriefing bis zur versandfertigen Palette. Im DACH-Raum hat sich diese Arbeitsteilung stark verbreitet, weil sie es Marken, Handelsketten und Start-ups erlaubt, ohne eigene Abfüllanlage zu produzieren.

Wer als Importeur, Handelsmarken-Inhaber, Winzer, Lebensmittelverarbeiter oder Drogeriekette ein solches Projekt aufsetzt, kauft nicht nur eine Dienstleistung, sondern eine Kette von abhängigen Entscheidungen. Die Wahl des Glases beeinflusst die Abfüllgeschwindigkeit, die Etikettierung, die Kartonage und die Logistik. Die Rezeptur wiederum bestimmt, welche Abfülltemperatur und welche Hygieneanforderungen gelten. Deshalb ist die Verpackung in einem Lohnabfüllprojekt kein nachgelagerter Einkauf, sondern ein früher Baustein der Planung. Wer sie erst am Ende abstimmt, riskiert Umstellungen in der Linie und Verzögerungen im Marktstart.

Für den DACH-Markt kommen spezifische Anforderungen hinzu. Die Verkehrsfähigkeit eines Produkts hängt von der Kennzeichnung, der Lebensmittelsicherheit und der Rückverfolgbarkeit ab. Handelsketten verlangen zunehmend Zertifizierungen wie IFS Food oder vergleichbare Standards. Die Abfüllung muss also nicht nur technisch funktionieren, sondern dokumentiert und auditierbar sein. Wer Flaschen im Rahmen einer Lohnabfüllung beschafft, sollte deshalb den Lieferanten und den Abfüller von Beginn an in ein gemeinsames Lastenheft einbinden.

Der Ablauf eines Lohnabfüllprojekts von der Idee bis zur Serie

Ein Lohnabfüllprojekt folgt in der Regel einer klaren Sequenz. Am Anfang steht die Produktidee oder das Briefing des Auftraggebers. Daraus entstehen ein Zielbild des Produkts, eine grobe Füllmenge und eine Erwartung an Optik und Preis. Im nächsten Schritt wird die Machbarkeit bewertet: Kann die Rezeptur industriell abgefüllt werden? Welche Abfülltechnologie ist nötig – kalt, heiß oder aseptisch? Welche Haltbarkeit ist zu erwarten? Diese Fragen bestimmen die Auswahl der Abfülllinie und damit auch die Anforderungen an das Glas.

Danach folgt die Verpackungsauswahl. Hier entscheidet sich, ob eine Standardflasche aus dem Sortiment des Glashändlers verwendet wird oder eine Individualform nötig ist. Parallel werden Verschluss, Etikett und Kartonage festgelegt. Sobald diese Bausteine stehen, kann die Musterphase beginnen: Erstmuster, Befüllung mit der realen Rezeptur, Test der Etikettierung und gegebenenfalls eine sensorische Prüfung. Erst danach wird die Serienproduktion geplant, mit verbindlichen Mengen, Terminen und Prüfkriterien.

Für die Projektsteuerung ist ein gemeinsames Verständnis der Schnittstellen entscheidend. Wer liefert das Glas, wer lagert es, wer haftet für Bruch, wer stellt die Etiketten, wer übernimmt die Endkontrolle? In vielen Projekten ist der Abfüller der zentrale Knotenpunkt, während der Glashändler das Gebinde bereitstellt. Eine klare Aufgabenverteilung und ein Terminplan mit Puffern verhindern, dass Engpässe beim Glas oder beim Etikett den Abfülltermin gefährden. Für die strukturierte Vorbereitung bietet der Beitrag zur Beschaffungs-Checkliste für Glasverpackung eine geeignete Grundlage.

Typ des Lohnservices: welche Modelle es gibt und was sie leisten

Lohnservices lassen sich nach Leistungstiefe und nach Füllgutart ordnen. Die Wahl des Modells bestimmt, welche Rolle der Auftraggeber übernimmt und welche Aufgaben beim Dienstleister liegen. Wichtig ist, dass jedes Modell andere Anforderungen an die Glasverpackung stellt. Eine reine Abfüllleistung setzt voraus, dass der Auftraggeber das Glas selbst stellt und liefert. Ein Komplettservice dagegen umfasst oft auch die Glasbeschaffung, die Etikettierung und die Konfektionierung.

Für die Praxis ist außerdem die Fülltechnologie entscheidend. Stille Getränke lassen sich einfacher abfüllen als karbonisierte, weil kein Gegendruck erforderlich ist. Heißabfüllung verlangt hitzebeständiges Glas und eine kontrollierte Abkühlung. Aseptische Verfahren wiederum erfordern eine sterile Umgebung und besonders strenge Hygiene. Aus der Fülltechnologie ergeben sich Anforderungen an Wandstärke, Temperaturwechselbeständigkeit und Verschluss. Die folgende Übersicht fasst die gängigen Modelle zusammen.

Typ des LohnservicesLeistungsumfangTypische FüllgüterAnforderung an die LinieQualitätsnachweisMengenlogik
Reine Lohnabfüllung stillFüllen, Verschließen, EtikettierenWein, Spirituosen, Öle, SäfteStandardlinie, kalte AbfüllungHACCP, HygieneauditLosgrößen projektspezifisch
Lohnabfüllung karbonisiertFüllen unter Gegendruck, VerschließenLimonaden, Schorlen, SektDruckfüllung, druckfestes GlasHACCP, IFSCharge nach Abfüllplan
HeißabfüllungHeißes Füllgut, Pasteurisation, AbkühlungSäfte, Soßen, SirupeTemperaturwechselbeständige FlaschenHACCP, ProzessvalidierungCharge nach Rezeptur
Kaltaseptische AbfüllungSteriles Füllen, UmverpackungEmpfindliche Getränke, MilchalternativenReinraum, sterile LinieHACCP, IFS, UmgebungsmonitoringCharge nach Validierung
Private-Label-KomplettserviceRezeptur, Glas, Design, Abfüllung, VerpackungHandelsmarken aller ArtProjektlinie mit WechselformatenIFS, HACCP, Audits beim HandelNach Projektangabe zu bestätigen
LohnkonfektionierungUmverpacken, Geschenksets, BundlesSets, Aktionsware, GeschenkpackungenKonfektionslinie, Handarbeit möglichHACCP, interne WareneingangskontrolleNach Kampagnengröße
Lohnlagerung und KommissionierungLager, Kommissionierung, VersandFertige PalettenwareAnbindung an ERP, ChargenverfolgungHACCP, IFS LogisticsNach Bestellvolumen

Die Tabelle macht deutlich, dass ein Projekt nicht pauschal beschrieben werden kann. Wer anfragt, sollte den gewünschten Leistungsumfang klar benennen, damit das Angebot vergleichbar ist. Viele Missverständnisse entstehen dadurch, dass Auftraggeber eine reine Abfüllleistung erwarten, während der Dienstleister von einem Komplettpaket ausgeht.

Qualitätssicherung: IFS, HACCP und die Anforderungen des Handels

In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist ein funktionierendes Hygienemanagement die Grundvoraussetzung für jede Lebensmittelabfüllung. HACCP steht für ein System zur Analyse und Kontrolle kritischer Lenkungspunkte, mit dem Gefahren für die Lebensmittelsicherheit systematisch erkannt und beherrscht werden. Ein Lohnabfüller muss zeigen können, dass er seine Prozesse kennt, messbare Grenzwerte definiert und Abweichungen dokumentiert. Für den Auftraggeber ist das wichtig, weil er als Inverkehrbringer für die Sicherheit seines Produkts mitverantwortlich bleibt.

Darüber hinaus verlangen viele Handelsketten eine Zertifizierung nach IFS Food oder einem gleichwertigen Standard. Diese Audits prüfen nicht nur die Hygiene, sondern auch die Rückverfolgbarkeit, die Schädlingsbekämpfung, die Personalhygiene, die Wartung der Anlagen und die Lenkung von Lieferanten. Wer als Markeninhaber über eine Kette listet, wird in der Regel aufgefordert, den Zertifizierungsstatus seines Abfüllers nachzuweisen. Für die Glasverpackung bedeutet das, dass auch der Glashändler in die Lieferantenbewertung einbezogen werden kann.

Ein oft unterschätzter Aspekt ist die Rückverfolgbarkeit. Jede Charge muss sich vom Rohstoff bis zur ausgelieferten Palette verfolgen lassen. Glasflaschen tragen häufig Chargenkennzeichnungen, die eine Rückverfolgung im Reklamationsfall erlauben. Wer eine Lohnabfüllung plant, sollte klären, welche Chargeninformationen der Glashändler liefert und wie sie dokumentiert werden. Ein sauber aufgesetzter Prüfplan, der Wareneingang, Füllung und Endkontrolle umfasst, ist die Grundlage für eine belastbare Freigabe.

Regelmäßige Wareneingangs- und Endkontrollen sichern die Chargendokumentation und die Freigabe im Lohnabfüllprojekt.

Abfülllinien-Kompatibilität: Höhe, Durchmesser und Greifzone

Die häufigste Ursache für Verzögerungen in Lohnabfüllprojekten ist eine Flasche, die nicht zur Linie passt. Abfüllanlagen sind auf definierte Flaschengeometrien eingestellt. Höhe, Durchmesser, Schulterverlauf, Greifzone und Bodenform bestimmen, ob die Flasche im Einlauf, im Füller, im Verschließer und im Etikettierer zuverlässig läuft. Eine Flasche, die optisch gefällt, kann technisch ungeeignet sein, wenn sie in der Übergabe kippt oder im Etikettierer nicht sauber ausgerichtet wird.

Die Greifzone ist besonders kritisch. Greifer und Transportsterne greifen die Flasche an definierten Zonen, meist unterhalb des Halses oder am Bauch. Eine Individualform mit ungewöhnlichem Schulterverlauf kann dazu führen, dass die Greifer keinen stabilen Halt finden. Ebenso wichtig ist die Halsfinish, weil sie den Verschlusstyp und damit die Verschließeinheit bestimmt. Weicht die Halsfinish von der Standardnorm ab, sind Umrüstungen oder ein neuer Verschluss erforderlich, und die gängigen Normen sollten bereits bei der Flaschenauswahl berücksichtigt werden.

Auch das Gewicht spielt eine Rolle. Schwere Flaschen belasten die Transportbänder stärker und können die Taktzeit der Linie senken. Sehr leichte Flaschen dagegen sind instabiler und neigen zu Bruch oder Umfallen. Die optimale Wahl liegt im Bereich zwischen diesen Extremen und hängt von der Linienkonfiguration ab. Deshalb ist es ratsam, den Abfüller frühzeitig mit einzubeziehen und – wenn möglich – vor der Serienbestellung einen Testlauf mit der realen Flasche durchzuführen. Ein solcher Lauf deckt Probleme auf, bevor größere Mengen bestellt sind.

Eine reibungslose Abfülllinie setzt voraus, dass Flasche, Verschluss und Etikett auf die Anlagen abgestimmt sind.

Etiketten und Verkehrsfähigkeit: LMIV und Kennzeichnung

Die Verkehrsfähigkeit eines Produkts hängt entscheidend von der Kennzeichnung ab. In der Europäischen Union gilt die Lebensmittelinformationsverordnung, kurz LMIV, die Anforderungen an die Nährwertdeklaration, die Zutatenliste, die Allergenkennzeichnung und die Pflichtangaben festlegt. Für Handelsmarken bedeutet das, dass das Etikett alle vorgeschriebenen Informationen enthalten muss, bevor das Produkt in den Handel geht. Der Lohnabfüller und der Etikettenlieferant müssen eng zusammenarbeiten, damit die Angaben korrekt gedruckt und angebracht werden.

Ein häufiger Fehler ist die späte Änderung des Designs. Wird das Etikett nach der Freigabe angepasst, müssen in der Regel neue Druckplatten erstellt und die Abfüllung neu geplant werden. Deshalb sollten alle Beteiligten das Etikett früh abstimmen und mit den tatsächlichen Rezepturdaten abgleichen. Auch die Positionierung auf der Flasche ist relevant: Bei ungewöhnlich geformten Flaschen kann die nutzbare Fläche eingeschränkt sein, und Pflichtangaben müssen dennoch lesbar bleiben. Der Beitrag zu Etiketten und Kennzeichnung behandelt die wichtigsten Vorgaben im Detail.

Für den Export in die Schweiz und nach Österreich sind zusätzliche Anforderungen zu prüfen. In der Schweiz gelten eigene Regelungen, die in Teilen von denen der EU abweichen. Auch die Amtssprache ist relevant: Für den Schweizer Markt sind die Pflichtangaben in der Regel in einer der Landessprachen zu halten. Wer in mehrere Länder liefert, sollte die Etikettenvarianten früh kalkulieren, weil Sprachversionen die Nutzenfläche und die Abfülllogistik beeinflussen.

Konfektionierung, Verpackung und Logistik

Die Konfektionierung umfasst das Umverpacken, das Bilden von Bundles und Sets sowie das Anbringen von Aktionsetiketten. Sie ist in vielen Projekten der letzte und zugleich kundenwirksamste Schritt, weil hier das endgültige Erscheinungsbild des Produkts im Regal entsteht. Wer Geschenksets oder Aktionsware plant, sollte diese Arbeitsschritte frühzeitig in die Kalkulation aufnehmen, weil sie personalintensiv sein können. Auch die Wahl der Umverpackung – Karton, Schachtel oder Tray – hat Einfluss auf die Kosten und auf die Präsentation.

Für die Logistik gelten die üblichen Grundsätze der Glasverpackung: Schutz vor Bruch, eine stabile Palettierung und eine belastbare Chargenverfolgung. Bei Lohnabfüllprojekten kommt hinzu, dass die Ware häufig aus verschiedenen Quellen zusammenläuft. Das Glas kommt vom Glashändler, das Etikett vom Drucker, das Füllgut vom Auftraggeber oder dessen Zulieferer. Diese Teile müssen termingerecht beim Abfüller eintreffen, damit die Linie nicht stillsteht. Eine gute Planung sorgt dafür, dass Wareneingang, Zwischenlagerung und Abfüllung aufeinander abgestimmt sind.

Nach der Abfüllung stellt sich die Frage der Konfektionierung und des Versands. Wer die Ware palettenweise an eine Handelskette liefert, braucht eindeutige Palettenlabels und eine Rückverfolgbarkeit bis zur Charge. Wer direkt an Endkunden oder an Fachhändler liefert, benötigt Einzelverpackungen mit ausreichendem Schutz. In beiden Fällen sind eine stabile Palettierung mit Kantenschutz und eine belastbare Chargenverfolgung die Grundlage für eine sichere Anlieferung.

Handelsmarken-Strategie im LEH: warum Verpackung zum Sortiment passt

Handelsmarken sind im deutschen Einzelhandel ein zentraler Wettbewerbsfaktor. Sie füllen Preis- und Qualitätssegmente und werden von den Ketten aktiv gesteuert. Wer eine Handelsmarke für eine Kette produziert, muss verstehen, in welches Segment die Marke gehört und wie sie sich von der Eigenmarke der Kette und von nationalen Marken abgrenzen soll. Die Verpackung ist dabei das wichtigste Instrument der Differenzierung, weil sie im Regal sofort sichtbar ist.

Für Lohnabfüllprojekte folgt daraus, dass die Flasche nicht isoliert, sondern im Kontext des Sortiments gewählt werden sollte. Eine Handelsmarke im Einstiegsbereich braucht ein effizientes, klar erkennbares Gebinde mit niedrigen Stückkosten. Eine Premium-Handelsmarke dagegen profitiert von einer schwereren, hochwertig anmutenden Flasche mit präzisem Dekor. Der Beitrag zu Formenprojekt und Werkzeugkosten hilft, die Investition in eine Individualform gegen den Nutzen abzuwägen.

Ein weiterer Faktor ist die Sortimentsbreite. Handelsketten führen häufig mehrere Varianten eines Produkts, etwa verschiedene Geschmacksrichtungen oder Füllmengen. Wenn diese Varianten dieselbe Flasche nutzen, sinken die Kosten und die Regalpräsentation bleibt konsistent. Eine modulare Verpackungsstrategie, bei der eine Grundform mit variierendem Etikett und Verschluss eingesetzt wird, ist deshalb in Handelsmarkenprojekten besonders sinnvoll. Sie erlaubt es, schnell auf Nachfrageänderungen zu reagieren, ohne neue Werkzeuge zu benötigen.

MOQ-Logik und Kalkulation im Lohnauftrag

Mindestbestellmengen sind in der Glasbeschaffung und in der Lohnabfüllung ein zentrales Thema. Sie ergeben sich aus mehreren Faktoren: der Losgröße des Glaswerks, dem Rüstaufwand der Abfülllinie, der Mindestmenge für den Etikettendruck und der Logistik. Eine kleine Serie kann deshalb pro Stück teurer sein als eine große, weil die fixen Kosten auf weniger Einheiten verteilt werden. Für Auftraggeber ist es wichtig, diese Zusammenhänge zu verstehen, um realistisch zu kalkulieren.

Die konkreten Mindestmengen hängen vom Einzelfall ab. Sie werden durch die gewählte Flasche, das Herstellungsverfahren, die Fülltechnologie und den Abfüller bestimmt und sind nach Projektangabe zu bestätigen. Wer ein neues Projekt plant, sollte daher zuerst den gewünschten jährlichen Bedarf schätzen und daraus die Losgröße ableiten. Eine zu kleine Erstbestellung kann unwirtschaftlich sein, eine zu große bindet Kapital und Lagerfläche. Ein gestaffelter Ansatz – kleine Erstserie zur Markterprobung, danach größere Folgechargen – ist häufig die pragmatische Lösung.

Für die Kalkulation sollten neben dem Stückpreis auch Werkzeugkosten, Musterkosten, Etikettendruck, Konfektionierung, Lagerung und Transport berücksichtigt werden. Diese Positionen machen in Summe oft einen erheblichen Teil der Gesamtkosten aus. Wer Angebote vergleicht, sollte deshalb auf einen vollständigen Leistungsumfang achten und nicht nur den Flaschenpreis betrachten. Der Beitrag zur RFQ-Checkliste für Glasflaschen unterstützt dabei, alle relevanten Punkte in der Anfrage zu erfassen.

Glasbeschaffung im Lohnauftrag: Rollen und Verantwortlichkeiten

In einem Lohnabfüllprojekt stellt sich die Frage, wer das Glas beschafft. Es gibt zwei Grundmodelle. Beim ersten Modell stellt der Auftraggeber das Glas und liefert es an den Abfüller. Das gibt ihm volle Kontrolle über Form, Farbe und Lieferant, verlangt aber eigene Logistik und Lagerhaltung. Beim zweiten Modell beschafft der Abfüller oder ein beauftragter Glashändler das Glas und rechnet es in die Leistung ein. Das vereinfacht die Abwicklung, reduziert aber die Einflussmöglichkeit auf den Lieferanten.

Für viele Projekte ist ein Mittelweg sinnvoll: Der Auftraggeber wählt die Flasche und den Lieferanten gemeinsam mit dem Abfüller aus, während die Beschaffung und die Anlieferung über den Abfüller laufen. So bleibt die technische Abstimmung gewährleistet, und der Abfüller trägt die Verantwortung für die termingerechte Bereitstellung. In jedem Fall sollte die Aufgabenverteilung schriftlich festgehalten werden, einschließlich der Haftung für Bruch und der Regelung für Nachlieferungen.

Ein weiterer Punkt ist die Verfügbarkeit der Form. Wenn der Auftraggeber eine Individualform baut, sollte geklärt sein, wer Eigentümer des Werkzeugs ist und wie die Verfügbarkeit über die Projektlaufzeit gesichert wird. Bei Standardflaschen ist die Verfügbarkeit einfacher, dafür ist die Differenzierung geringer. Wer langfristig plant, sollte die Nachbestellmöglichkeit vertraglich absichern, damit das Produkt auch nach Jahren noch identisch verpackt werden kann. Der Beitrag zum Partnernetzwerk der Glasfabriken erläutert, wie sich geeignete Fertigungspartner strukturiert auswählen lassen.

Die maschinelle Formgebung im Glaswerk bestimmt Maßhaltigkeit und Wandstärke – beides ist für die Lohnabfüllung entscheidend.

Nachhaltigkeit und Mehrweg in der Lohnabfüllung

Nachhaltigkeit ist im DACH-Raum ein wachsender Auswahlfaktor. Handelsketten fragen nach dem Rezyklatanteil, nach der Recyclingfähigkeit und nach dem Kohlendioxid-Fußabdruck der Verpackung. Glas hat hier gute Voraussetzungen, weil es inert, geschmacksneutral und mehrfach recycelbar ist. Dennoch sind die Unterschiede zwischen den Gebinden erheblich: Eine leichte Flasche mit hohem Rezyklatanteil schneidet in der Klimabilanz besser ab als eine schwere Flasche aus Primärrohstoffen.

Für Lohnabfüllprojekte bedeutet das, dass Nachhaltigkeitsziele früh in die Verpackungswahl einfließen sollten. Wird ein Mehrwegsystem angestrebt, sind Reinigungsfähigkeit, Etikettenentfernbarkeit und Flaschenstabilität über mehrere Umläufe hinweg zu prüfen. Nicht jede Flasche eignet sich für Mehrweg, und nicht jeder Abfüller verfügt über die nötige Reinigungsinfrastruktur. Der Beitrag zu Mehrwegflaschen und Pfandsystemen gibt einen Überblick über die Anforderungen und über die logistischen Konsequenzen.

Ein weiterer Aspekt ist die Verpackungsverordnung. In Deutschland müssen Hersteller und Inverkehrbringer ihre Verpackungen bei der Zentralen Stelle Verpackungsregister registrieren und über ein System lizenzieren. Für Handelsmarken bedeutet das, dass die Verantwortung für die Meldung klar geregelt sein muss. Wer die Melde- und Lizenzpflichten nicht beachtet, riskiert Abmahnungen und Vertriebsprobleme. Ein sauber aufgesetztes Lohnabfüllprojekt regelt diese Pflichten bereits im Vertrag.

Vom RFQ zur Serie: Projektplanung und Terminsicherung

Der Start eines Projekts ist die Anfrage. Eine gute Anfrage beschreibt das Produkt, die Füllmenge, die Zielmenge, den Verschluss, die gewünschte Optik und den zeitlichen Rahmen. Je präziser die Anfrage, desto vergleichbarer die Angebote. Wichtig ist, dass die technischen Anforderungen an die Flasche – Höhe, Durchmesser, Halsfinish, Gewicht, Farbe – vollständig genannt werden. Fehlende Angaben führen zu Rückfragen und Verzögerungen.

Nach der Angebotsphase folgt die Musterphase. Hier werden Muster angefordert, geprüft und gegebenenfalls angepasst. Bei Individualformen ist zusätzlich ein Erstmusterprozess erforderlich, bei dem die Form abgenommen und die Flasche auf Funktion geprüft wird. Parallel werden Etikett und Verpackung finalisiert. Erst wenn alle Muster freigegeben sind, sollte die Serienbestellung ausgelöst werden.

Für die Terminsicherung empfiehlt sich ein Pufferplan, der Produktionszeiten, Transportzeiten und Abfüllfenster berücksichtigt. Da Glas oft in großen Chargen produziert und über Seefracht oder Lkw angeliefert wird, sind die Lieferzeiten nicht beliebig verkürzbar. Eine frühzeitige Bestellung und eine klare Kommunikation mit allen Beteiligten sind die wirksamsten Mittel gegen Verzögerungen. So wird aus einem komplexen Lohnabfüllprojekt ein planbarer Prozess, der Markenstart und Listungstermin zuverlässig erreicht.

Häufige Fragen

Was bedeutet Lohnabfüllung genau?

Bei der Lohnabfüllung übernimmt ein Dienstleister das Füllen, Verschließen und Etikettieren, während der Auftraggeber das Füllgut, das Design und die Markenrechte stellt. Der Leistungsumfang kann je nach Modell von der reinen Abfüllung bis zum Komplettservice reichen. Die genauen Aufgaben sind vertraglich zu regeln.

Was ist der Unterschied zwischen Lohnabfüllung und Private Label?

Private Label umfasst typischerweise mehr als die reine Abfüllung, nämlich die Entwicklung eines Produkts unter der Marke des Auftraggebers oder Händlers, oft einschließlich Rezeptur, Verpackungsdesign und Konfektionierung. Lohnabfüllung ist der engere Begriff für die Abfüllleistung selbst.

Warum muss die Abfülllinien-Kompatibilität vorher geprüft werden?

Abgefüllanlagen sind auf bestimmte Flaschengeometrien eingestellt. Passen Höhe, Durchmesser, Greifzone oder Halsfinish nicht, kann die Flasche kippen, brechen oder nicht sauber etikettiert werden. Eine frühzeitige Prüfung und ein Testlauf mit dem Abfüller verhindern Verzögerungen und Ausschuss.

Welche Zertifizierungen sind für Lohnabfüller wichtig?

Ein funktionierendes HACCP-System ist Grundvoraussetzung. Viele Handelsketten verlangen zusätzlich eine Zertifizierung nach IFS Food oder einem vergleichbaren Standard. Diese Audits prüfen Hygiene, Rückverfolgbarkeit, Lieferantenlenkung und Anlagenwartung.

Welche Angaben muss ein Etikett nach LMIV enthalten?

Die Lebensmittelinformationsverordnung verlangt unter anderem die Verkehrsbezeichnung, die Zutatenliste, die Allergenkennzeichnung und die Nährwertdeklaration. Hinzu kommen Füllmenge, Haltbarkeitsdatum und die Angaben zum Hersteller oder Inverkehrbringer. Für Exportmärkte können zusätzliche Anforderungen gelten.

Wie werden die Mindestbestellmengen festgelegt?

Mindestmengen ergeben sich aus der Losgröße des Glaswerks, dem Rüstaufwand der Linie, dem Etikettendruck und der Logistik. Konkrete Werte sind nach Projektangabe zu bestätigen. Eine gestaffelte Planung mit kleiner Erstserie und größeren Folgechargen ist häufig sinnvoll.

Wer beschafft das Glas im Lohnauftrag?

Das Glas kann entweder vom Auftraggeber gestellt oder vom Abfüller beziehungsweise einem Glashändler beschafft werden. In vielen Projekten wählt der Auftraggeber die Flasche mit, während der Abfüller die Anlieferung übernimmt. Die Aufgabenverteilung und die Haftung sollten schriftlich festgehalten werden.

Ist Mehrweg in der Lohnabfüllung möglich?

Mehrweg ist möglich, wenn die Flasche für mehrere Umläufe geeignet ist und der Abfüller über eine passende Reinigungsinfrastruktur verfügt. Etikettenentfernbarkeit, Flaschenstabilität und Pfandlogistik müssen geprüft werden. Nicht jede Flasche und nicht jede Linie eignet sich dafür.

Wie läuft die Konfektionierung bei Lohnaufträgen ab?

Die Konfektionierung umfasst das Umverpacken, das Bilden von Sets und das Anbringen von Aktionsetiketten. Sie ist oft personalintensiv und sollte früh kalkuliert werden. Die Umverpackung beeinflusst sowohl die Kosten als auch das Erscheinungsbild im Regal.

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