Kernpunkte für Einkauf und Technik: Mayonnaise- und Dressingsflaschen
- Die Emulsion ist das Produkt – Glas, Finish und Verschluss müssen Ölabscheidung, Säureangriff und wiederholtes Öffnen über die gesamte Haltbarkeit beherrschen.
- Ohne saubere Heißabfüllung oder Pasteurisation und ohne pH-Wert unter etwa 4,2 lässt sich eine belastbare Raumtemperatur-Lagerung nicht darstellen.
- Weithalsglas für die Küche, Squeeze- und Flaschenformate für den Handel, 5-kg-Gastrogebinde für die Großküche: jede Anwendung braucht ihre eigene Halsausführung.
- Für DACH gelten LFGB, die LMIV/INCO (EU) 1169/2011 mit Allergenkennzeichnung für Senf und Ei sowie die EG-Öko-Verordnung für Bio-Linien.
Mayonnaise und Dressings: Warenkunde und Verpackungsanforderungen
Mayonnaise ist eine Öl-in-Wasser-Emulsion aus Eigelb, Essig oder Zitronensaft, Senf, Salz, Zucker und Pflanzenöl. Klassische Rezepturen enthalten rund 70 bis 80 Prozent Fett, leichte Varianten deutlich weniger; der Fettgehalt bestimmt Viskosität, Benetzung der Glaswand und die Neigung zur Ölabscheidung. Salatdressings reichen von flüssigen Vinaigrettes mit hohem Essiganteil über cremige Joghurt- und Kräuterdressings bis zu emulgierten Mayonnaise-Dressings, die sich rheologisch wie Mayonnaise verhalten. Jede dieser Gruppen stellt andere Anforderungen an Gefäß, Ausguss und Verschluss.
Für den Handel zählen sauberer Ausguss, Restentleerbarkeit und ein Verschluss, der auch nach mehrfachem Gebrauch noch dicht schließt. In der Gastronomie stehen Dosierbarkeit, Stapelfähigkeit und Volumen im Vordergrund. Für Bio-Linien kommen Vorgaben der EG-Öko-Verordnung hinzu, die sich auf Rezeptur und Kennzeichnung beziehen und die Dokumentationskette bis zum Vorlieferanten verlängern. Wer Saucen und Dressings als Private Label produzieren lässt, findet die passenden Gefäßfamilien üblicherweise gebündelt unter Senf- und Saucengläser.
Glas ist für diese Produkte aus mehreren Gründen erste Wahl: es ist inert gegenüber Fettsäuren und Essigsäure, nimmt keine Fremdgerüche an, lässt sich heiß abfüllen und ist im DACH-Raum mit hohen Recycling- und Mehrwegquoten etabliert. Entscheidend ist, dass das Glas nicht als austauschbare Hülle behandelt wird, sondern als Teil des Haltbarkeitskonzepts.
Emulsionsstabilität: Wie das Gefäß Ölabscheidung und Aufrahmen beeinflusst
Während der Lagerung kann sich die disperse Ölphase teilweise wieder zusammenziehen; es entsteht ein Ölfilm an der Oberfläche, der sensorisch auffällt und auf dem Etikett erklärungsbedürftig ist. Ein korrekt dimensionierter Headspace und ein dicht schließender Verschluss reduzieren solche Effekte, können sie aber nicht vollständig verhindern. Je größer die freie Oberfläche im Gefäß, desto stärker ist die Bewegung der Emulsion während Transport und Handhabung – ein breites Weithalsglas mit zu großem Kopfraum ist deshalb nicht automatisch die bessere Wahl.
Für die Auswahl zählt das Verhältnis von Füllvolumen zu Oberfläche. Schlanke Flaschen mit engem Hals und geringem Kopfraum laufen ruhiger und zeigen seltener separierte Phasen als flache, breite Behälter. Bei zähen Mayonnaisen, die aus dem Glas gelöffelt werden, ist dagegen ein weites Maul mit glatter Innenwand von Vorteil, weil sich das Produkt restentleeren lässt und der Verbraucher den letzten Rest erreicht. Zwischen diesen beiden Polen liegt die Squeeze-Flasche, die eine mittlere Viskosität über eine Düse dosiert und die Emulsion beim Auspressen zusätzlich mechanisch beansprucht.
Emulsionsstabilität ist immer eine Kombination aus Rezeptur, Homogenisierung, Abfülltemperatur und Verpackung. Wer nur das Glas wechselt, ohne Kopfraum, Umfülltechnik und Kühlkette neu zu bewerten, wird das Ergebnis selten verbessern. Aus diesem Grund gehört zur Musterung eines Dressingglases immer ein Abfüllversuch mit dem echten Produkt.
Ein oft unterschätzter Faktor ist die mechanische Belastung während des Transports. Rüttelbewegungen auf schlechten Straßen und das wiederholte Anheben im Regal wirken wie ein langsames Rühren und beschleunigen die Phasentrennung. Wer ein Produkt mit knapper Emulsionsstabilität führt, sollte deshalb die Transportstrecke in die Bewertung einbeziehen und prüfen, ob eine stabilere Rezeptur, ein anderer Kopfraum oder eine veränderte Füllmenge das Verhalten verbessert. Auch die Alterung im Regal spielt eine Rolle: Je länger die Mindesthaltbarkeit, desto größer der Zeitraum, in dem sich Phasen trennen können.
Für die Praxis hilft ein einfacher Vergleichsaufbau. Von einem Muster werden mehrere Gebinde mit identischer Füllmenge abgefüllt, gelagert und in festen Intervallen optisch sowie sensorisch beurteilt. So entsteht ein belastbares Bild davon, welches Gefäß und welcher Verschluss unter realen Bedingungen bestehen. Diese Prüfung ersetzt kein Haltbarkeitskonzept, liefert aber die Entscheidungsgrundlage für die Formatwahl.
Gebindeformate und Halsausführungen: von 250 ml bis 5 kg
Der Handel im DACH-Raum arbeitet überwiegend mit 250-ml- und 500-ml-Gebinden. 250 ml bedienen Single-Haushalte und Aktionsware, 500 ml etablieren sich als Standard für Familienpackungen und als Regalgröße für Salatdressings. Für Dip-Sortimente, BBQ-Saucen und Feinkostlinien kommen zusätzlich 150- und 200-ml-Gläser zum Einsatz. Im Gastronomiebereich dominieren 1-l-Gebinde und 5-kg-Eimer, in Zentralküchen auch 10-l-Gebinde mit passendem Deckel.
Die Halsausführung folgt dem Füllgut. Zähe Mayonnaise läuft über ein weites Maul mit kurzem Hals; dünnflüssige Vinaigrettes brauchen eine engere Öffnung, damit das Produkt kontrolliert austritt. Für Squeeze-Anwendungen werden Flaschen mit Gewinde für Schraubkappen und Tropfeinsätze gewählt, während Gastrogebinde häufig mit Kunststoffschraubdeckeln und Dichtlippe ausgestattet sind. Die Normierung über genormte Halsfinishs erleichtert die Umstellung auf Standardverschlüsse; Details dazu stehen unter Halsfinish und Gewindenormen.
Wer mehrere Formate parallel führt, sollte Hals und Verschluss soweit möglich vereinheitlichen, um Deckel, Dichtungen und Etiketten über Linien hinweg zu standardisieren. Das reduziert Rüstzeiten, Lagerpositionen und Fehlbestückungen. Eine Formatfamilie mit einheitlichem Finish, aber unterschiedlichem Volumen ist im DACH-Handel eine bewährte Struktur; im Gastronomieumfeld gehört die passende Ausführung für Portions- und Nachfüllgebinde dazu.
Finish, Verschluss und Dichtung für öl-, säure- und senfhaltige Rezepturen
Dressings und Mayonnaisen greifen Dichtmaterialien anders an als neutrale Füllgüter. Essigsäure und Zitronensäure können Metallteile korrodieren, Senföle aus Senfmehl und Senfsaat können in Elastomere eindringen, und ein hoher Fettanteil weicht bestimmte Einlagedichtungen auf. Deshalb gehört zu jedem Verschluss eine Dichtung, die gegenüber Fettsäuren und Säuren beständig ist. Bewährt haben sich Ausführungen aus geeigneten Kunststoffen mit Lebensmittelzulassung sowie Metallverschlüsse mit säurefester Innenbeschichtung.
Die Dichtigkeit entscheidet über die Haltbarkeit. Ein Deckel, der nur mäßig anliegt, lässt Sauerstoff eintreten und begünstigt eine oxidative Veränderung der Ölphase. Gleichzeitig muss der Verschluss nach dem ersten Öffnen weiter funktionieren: Wiederverschließbarkeit ist bei Dressings ein zentrales Kundenkriterium. Unterschiedliche Verschlussarten und ihre Eignung fasst die Seite Verschlüsse und Kappen zusammen.
Für 5-kg-Gastrogebinde sind Deckel mit breiter Dichtlippe, Griffrand und Stapelnasen üblich, die sich mit Handschuhen öffnen lassen. Bei Squeeze-Flaschen ist dagegen die Düse das kritische Bauteil: sie muss konstant dosieren, darf nicht verstopfen und muss nach dem Gebrauch sauber abtropfen. Wer ein neues Format einführt, sollte Verschluss, Düse und Dichtung als zusammengehörige Einheit beschaffen statt einzelne Komponenten unabhängig zu optimieren.
Heißabfüllung, Pasteurisation und die pH-Grenze für die Raumlagerung
Ob ein Dressing bei Raumtemperatur gelagert werden kann, hängt an der Kombination aus pH-Wert, Wasseraktivität und Hitzebehandlung. Als technischer Anhaltswert gilt: Liegt der pH-Wert ausreichend niedrig, wird das Produkt mikrobiologisch stabiler und lässt sich kalt oder gemischt abfüllen; bei höheren pH-Werten sind Heißabfüllung oder eine Pasteurisation erforderlich, um Verderb zu beherrschen. Der konkrete Grenzwert ist rezeptur- und verfahrensabhängig und muss im Projekt mit der Lebensmittelsicherheit abgestimmt werden.
Heißabfüllung stellt besondere Anforderungen an das Glas. Thermoschockbeständigkeit ist gefragt, weil das Gefäß beim Befüllen schnell Temperatur aufnimmt und anschließend abkühlt. Ungünstige Fülltemperaturen oder ein zu schneller Temperaturwechsel erhöhen die Bruchgefahr deutlich. Auch der Verschluss muss die heiße Ware aufnehmen können: Dichtungen dürfen dabei nicht verformen oder ausgasen.
Für die Praxis bedeutet das, dass Glas, Verschluss und Abfülltemperatur gemeinsam ausgelegt werden. Wer kalt mischt und heiß in ein vorgewärmtes Glas füllt, braucht andere Parameter als eine kalte Abfüllung mit anschließender Kühllagerung. Die Abstimmung dieser Punkte ist Teil der technischen Projektklärung und sollte zu Beginn der Formatentwicklung stehen – nicht erst nach dem ersten Abfüllversuch.
Etikettierung, Allergenkennzeichnung und Öko-Vorgaben für DACH
Die Kennzeichnung folgt der Lebensmittelinformationsverordnung (EU) 1169/2011. Bei Mayonnaise und vielen Dressings gehören Senf und Ei zu den kennzeichnungspflichtigen Allergenen; weitere Allergene ergeben sich aus der Rezeptur und müssen vollständig gelistet werden. Nährwertdeklaration, Zutatenverzeichnis, Nettofüllmenge, Mindesthaltbarkeit und Anschrift des Lebensmittelunternehmers sind Pflichtangaben.
Für Bio-Linien kommen die Vorgaben der EG-Öko-Verordnung hinzu, die Zutaten, Verarbeitung und Kontrollkette regelt. Wichtig für das Glas ist, dass sich Kennzeichnung und Dekoration nicht widersprechen: Ein Etikett, das eine Bio-Aussage trägt, muss zur zertifizierten Rezeptur passen. Rein dekorative Zusätze wie ein aufgedrucktes Bio-Siegel ohne Grundlage sind unzulässig.
Welche Etikettenarten, Klebstoffe und Druckverfahren sich für Glasverpackungen im DACH-Markt bewährt haben, ist unter Etiketten und Kennzeichnung von Glasverpackungen zusammengefasst. Entscheidend ist die Beständigkeit der Klebstoffe gegenüber Kühlfeuchte und Kondenswasser: Dressings werden häufig im Kühlregal angeboten, und ein Etikett, das sich dort löst, beschädigt das Regalbild.
Qualitätskontrolle und Eingangsprüfung von Dressinggläsern
Bei Wareneingang werden Glaslieferungen im DACH-Raum nach definierten Merkmalen geprüft: Maßhaltigkeit von Mündung, Finish und Höhe, Wandstärke, Sichtfehler wie Blasen, Steinchen oder Risse, Planlage des Mündungsrandes und Sauberkeit. Gerade bei Heißabfüllung ist die Planlage entscheidend, weil ein unebener Rand zur Undichtigkeit führt. Diese Prüfmerkmale sind bei Qualitätsprüfung und Eingangskontrolle ausführlich beschrieben.
Zur Dokumentation gehören Stichprobenpläne, Maßprotokolle und eine eindeutige Chargenzuordnung. Die Anforderungen an Probennahme und Bewertung sollten im Liefervertrag festgehalten sein, ebenso die Reaktion bei Abweichungen. Wer wiederkehrend bezieht, sollte dieselben Prüfmethoden und Messmittel über alle Lieferungen hinweg nutzen, damit Vergleiche aussagekräftig bleiben.
Ein weiterer Prüfpunkt ist die Kombination aus Glas und Verschluss: Ein einzeln fehlerfreies Glas kann mit einem passenden Deckel undicht sein, wenn Finish-Toleranzen nicht zusammenpassen. Deshalb empfiehlt sich eine Funktionsprüfung der montierten Einheit, nicht nur der Einzelteile. Diese Prüfung lässt sich mit einer Vakuum- oder Dichtigkeitsprüfung ergänzen, die im Projekt gemeinsam mit dem Abfüller festgelegt wird.
Neben den harten Maßen lohnt sich die Beurteilung des optischen Gesamteindrucks. Kleine Sichtfehler, die technisch unbedenklich sind, können im Handel dennoch auffallen, wenn das Produkt im Kühlregal unter gerichteter Beleuchtung steht. Ob ein Glas diesen Ansprüchen genügt, wird am besten an einem Muster im Handel geprüft, nicht am Bildschirm. Wer Sichtfehler toleriert, sollte die Grenzen schriftlich festhalten, damit spätere Lieferungen bewertbar bleiben.
Verpackung, Palettierung und Transport feuchtigkeitsempfindlicher Ware
Glasverpackung für Dressings wird in der Regel auf Paletten mit Zwischenlagen, Schrumpfhauben oder Umkartons geliefert. Für den Export nach DACH sind stabile Ladeeinheiten und genormte Paletten wichtig, weil die Ware häufig über Wechselbrücken und Umschlagpunkte läuft. Beschaffenheit und Beladung beeinflussen Bruchquoten unmittelbar.
Da Dressings oft im Kühlregal stehen, sind Etiketten und Verschlüsse feuchtigkeitsempfindlich: Kondenswasser auf dem Glas kann Klebstoffe anlösen und Kartons aufweichen. Paletten sollten deshalb nicht direkt am Boden oder an Außenwänden stehen, und Ladeeinheiten brauchen eine trockene Zwischenlage. Details zur Ladungssicherung und zum Containerversand fasst Palettierung und Containerverladung zusammen.
Beim Transport von Füllgut und Leergut gelten unterschiedliche Anforderungen. Leerglas braucht Kantenschutz und Zwickelfüllung, gefüllte Ware zusätzlich eine Sicherung gegen Verrutschen. Werden beide Ströme im selben Fahrzeug bewegt, muss die Ladereihenfolge so geplant sein, dass Leerglas die bereits gefüllten Gebinde nicht mechanisch belastet.
Beschaffung, Musterung und Werkzeugkosten im Projektverlauf
Ein Beschaffungsprojekt durchläuft typischerweise Bedarfsklärung, Formatvorschlag, Musterung, Abfüllversuch, Deklaration der Spezifikation, Serienfreigabe und wiederkehrende Lieferung. In der Musterphase werden Form, Volumen, Finish und Wandstärke festgelegt; hier zahlt sich aus, echte Füllgutproben statt Wasser einzusetzen, weil nur so Viskositäts- und Dichtheitseffekte sichtbar werden.
Bei neuen Formen können Werkzeug- und Formkosten anfallen, deren Höhe von der Komplexität der Gestaltung und der Stückzahl abhängt und im Projekt einzeln zu bestätigen ist. Für Standardformate sind dagegen häufig Lieferungen unmittelbar möglich. Wer die Kostenseite sauber planen will, klärt vor der Musterung, ob auf vorhandene Werkzeuge zurückgegriffen werden kann oder ob eine Neuform nötig ist.
Ein strukturierter Anforderungskatalog verkürzt die Abstimmung erheblich. Darin sind die technischen, logistischen und kaufmännischen Punkte zusammengeführt, die vor Angebotserstellung geklärt sein sollten. Wer Angebote vergleichbar machen will, beschreibt Füllmenge, Finish, Wandstärke, Dekoration, Verpackungsart und Lieferrhythmus in einheitlicher Form und legt fest, welche Punkte verbindlich und welche optional sind.
Typische Fehler beim Einkauf von Mayonnaisen- und Dressingsgläsern
Ein häufiger Fehler ist die Auswahl nach Optik statt nach Funktion. Ein attraktives, breites Glas kann für eine zähe Mayonnaise ungeeignet sein, wenn der Kopfraum zu groß ist und die Emulsion aufrahmt. Umgekehrt wirkt eine engere Flasche für ein flüssiges Dressing sauberer, ist aber für Pasten-Dressings schwer zu entleeren.
Der zweite Fehler betrifft den Verschluss: Oft wird der Deckel nachträglich und unabhängig vom Glas gewählt. Passen Finish, Gewinde und Dichtung nicht zusammen, leidet die Dichtigkeit, und Nachbesserungen verursachen Kosten und Verzögerungen. Günstiger ist es, Verschluss und Glas von Beginn an als Einheit zu betrachten.
Der dritte Fehler ist die Vernachlässigung der Kühlkette und der Kennzeichnung. Wird ein Dressing für das Kühlregal vorgesehen und die Haltbarkeit unter Temperaturschwankungen nicht geprüft, kann das Produkt trotz einwandfreier Emulsion ausfallen. Wer diese drei Punkte früh klärt, reduziert spätere Änderungen an Form, Verschluss und Deklaration deutlich.
Abfülltechnik und Linienkompatibilität für Dressinggebinde
Wer ein neues Dressingglas in eine bestehende Linie integrieren will, muss die Geometrie gegen die Anlagenparameter prüfen. Kritisch sind Höhe und Durchmesser, das Finish, die Toleranzen an der Mündung und das Gewicht des leeren Glases. Läuft eine Füllmaschine mit festen Formatteilen, ist jedes neue Format ein Umrüstvorgang, der Zeit und Abstimmung kostet. Deshalb sollte bereits bei der Formatwahl geklärt werden, ob die Linie auf das geplante Glas ohne größere Eingriffe läuft.
Bei Heißabfüllung kommen weitere Punkte hinzu: Der Füller, die Verschließerköpfe und der Kühltunnel müssen dieselbe Taktung fahren. Ein Glas, das im Füller sauber läuft, kann am Verschließer Probleme machen, wenn der Deckel nicht sauber aufgesetzt wird. Solche Effekte zeigen sich meist erst im Abfüllversuch, weshalb ein Testlauf mit Serienbedingungen eingeplant werden sollte.
Für zähe Produkte ist zusätzlich das Fließverhalten in den Füllleitungen relevant. Mayonnaise mit hohem Fettanteil baut beim Pumpen Struktur ab und läuft danach schneller; davon hängt ab, wie viel Ware im Nachlauf verloren geht und wie gleichmäßig die Füllgewichte ausfallen. Auch hier gilt: Die Auswahl des Glases beeinflusst die Linienleistung, nicht nur das Erscheinungsbild. Eine Abstimmung mit dem Anlagenbetreiber vor der Musterfreigabe erspart spätere Anpassungen.
Mehrweg, Recycling und Kreislaufwirtschaft für Dressinggläser
Glas ist im DACH-Raum ein etablierter Werkstoff mit hohen Sammel- und Verwertungsquoten. Für Dressinggebinde ist die Frage der Mehrwegfähigkeit projektabhängig: Nicht jedes Glas ist für eine Umlaufnutzung ausgelegt, und nicht jedes Füllgut eignet sich für denselben Reinigungsweg. Wer ein Mehrwegkonzept plant, muss Wandstärke, Mündungshaltbarkeit und Etikettenentfernbarkeit von Anfang an mitdenken.
Für die Einwegvariante gilt, dass Glas sortenrein gesammelt und recycelt wird. Die Farbe ist dabei relevant: helle Scherben sind breiter einsetzbar, während stark eingefärbtes Glas den Kreislauf für helle Produkte begrenzt. Ein ungefärbtes oder leicht grünliches Glas erleichtert die Wiederverwertung und erhält sich mehr Anwendungsoptionen als eine aufwendige Sonderfärbung.
Neben der Recyclingfähigkeit gewinnt der Materialeinsatz an Bedeutung. Leichtere Gläser senken Transportgewicht und damit Emissionen, verlieren aber an Festigkeit und müssen gegen den Prozessdruck der Linie und die Belastung durch Stapelung abgestimmt werden. Wer beides optimieren will, muss Leichtbau und Belastbarkeit gegeneinander abwägen und die Wahl mit einem Praxistest belegen statt allein über Kennzahlen zu entscheiden.
Häufige Fragen zu Mayonnaise- und Dressingsflaschen
Welches Glas eignet sich am besten für Mayonnaise mit hohem Ölanteil?
Für zähe Mayonnaise mit 70 bis 80 Prozent Fett eignen sich Weithalsgläser mit kurzem Hals und glatter Innenwand, weil sie sich gut befüllen und restentleeren lassen. Entscheidend sind geringer Kopfraum und ein dicht schließender Verschluss, damit die Ölphase nicht aufrahmt. Ob die gewählte Form zur Konsistenz passt, sollte im Abfüllversuch mit dem echten Produkt geprüft werden.
Ist Heißabfüllung für Dressings immer erforderlich?
Nein. Ob Heißabfüllung oder Pasteurisation nötig ist, hängt von pH-Wert, Wasseraktivität und Rezeptur ab. Viele Vinaigrettes sind über den niedrigen pH-Wert stabil genug für eine kältere Abfüllung, während cremige Dressings und Mayonnaisen mit höherem pH-Wert eine Hitzebehandlung benötigen. Der konkrete Grenzwert ist projektspezifisch festzulegen.
Warum ist der pH-Wert für die Haltbarkeit so entscheidend?
Ein saures Milieu hemmt das Wachstum vieler unerwünschter Mikroorganismen und erlaubt dadurch eine Lagerung bei Raumtemperatur. Sinkt die Säure ab, werden zusätzliche Hürden wie Hitze oder Kühlung erforderlich. Der pH-Wert ist damit eine der zentralen Stellgrößen für Verfahrensweg und Verpackungswahl.
Welchen Verschluss empfehlen Sie für säurehaltige Dressings?
Für Essig- und Zitronensäure enthaltende Rezepturen empfehlen sich Verschlüsse mit säurebeständiger Innenbeschichtung oder mit beständigen Kunststoffdichtungen, die gegenüber Fettsäuren und Senfölen resistent sind. Metallverschlüsse ohne geeignete Beschichtung können korrodieren. Der Verschluss sollte zusammen mit dem Finish ausgelegt und auf Wiederverschließbarkeit geprüft werden.
Welche Allergene müssen auf dem Etikett gekennzeichnet werden?
Bei Mayonnaise und vielen Dressings zählen Senf und Ei zu den kennzeichnungspflichtigen Allergenen nach der LMIV (EU) 1169/2011. Hinzu kommen alle weiteren Allergene der jeweiligen Rezeptur. Die Liste muss vollständig und eindeutig sein, weil unvollständige Angaben ein wesentlicher Kennzeichnungsfehler sind.
Sind Weithalsgläser auch für 5-kg-Gastrogebinde sinnvoll?
Ja, für die Gastronomie sind weite Münder mit passenden Kunststoffdeckeln üblich, weil sich zähe Produkte damit gut portionieren und restentleeren lassen. Wichtig sind ein stapelbarer Deckel, ein grifffreundlicher Rand und eine Dichtung, die mehrere Öffnungen übersteht. Ob das konkrete Gebinde zur Küchenausstattung passt, ist gemeinsam mit dem Anwender zu prüfen.
Vergleich: Dressing-Art, Gebinde und Verschluß
| Dressing-Art | Typische Füllmenge | Geeignete Glasform | Empfohlener Verschluß | Hinweis zur Abfüllung |
|---|---|---|---|---|
| Mayonnaise klassisch (70–80 % Fett) | 250 ml / 500 ml | Weithalsglas, kurzer Hals | Schraubdeckel mit säurefester Dichtung | Heißabfüllung oder Pasteurisation prüfen |
| Leichte Mayonnaise | 250 ml / 500 ml | Weithalsglas, schlanke Schulter | Schraubdeckel, gute Wiederverschließbarkeit | Kopfraum klein halten |
| Vinaigrette (hoher Essiganteil) | 250 ml / 500 ml | Flasche mit engem Hals | Schraubverschluß, Tropfeinsatz optional | Saure Abfüllung, Kühlregal prüfen |
| Cremiges Kräuterdressing | 250 ml / 500 ml | Weithalsglas oder Squeeze-Flasche | Klappdeckel oder Schraubdeckel | Viskosität im Versuch abstimmen |
| Squeeze-Mayonnaise | 250 ml / 400 ml | Squeeze-Flasche mit Düse | Schraubkappe mit Dosierspitze | Düsendurchmesser auf Viskosität auslegen |
| Gastro-Mayonnaise | 1 kg / 5 kg | Weithals-Eimer aus Glas oder Nachfüllkanne | Kunststoffdeckel mit Griff und Dichtlippe | Stapelfähigkeit und Portionierung prüfen |
| Bio-Dressing und Öko-Linie | 250 ml / 500 ml | Weithalsglas, ungefärbt | Säurefester Schraubdeckel | Dokumentation nach Öko-Verordnung |



Ob Weithalsglas, Squeeze-Flasche oder Gastrogebinde: Die passende Ausführung entsteht aus Rezeptur, Abfüllverfahren und Zielkanal. Wer diese drei Größen im Projekt zusammenführt und die Musterung mit echtem Füllgut durchführt, trifft eine Entscheidung, die auch nach mehreren Produktionszyklen trägt.